Samstag, 5. Mai 2007

Warum Transparenz?

Ina hat einige Fragen aufgeworfen, die für eine Philosophische Haltung oder besser, denjenigen, der sie einnehmen will oder meint, schon eingenommen zu haben, von Interesse sein sollten. Sich diese Fragen immer wieder einmal zu stellen, schärft das Bewusstsein für sich selbst und die eigene Position im engeren oder weiteren (sozialen) Zusammenhang. Denn um Zusammenhang geht es bei allem Philosophieren und also auch bei PQ.

Was macht mich aus, wie sind die Zusammenhänge meiner "Teile", dessen, was ich bin und tue? Wie stehe ich in Zusammenhang mit der Welt um mich herum? Woraus besteht die Welt, wie hängen ihre "Teile" zusammen? Wie wirkt sich schließlich meine Handlung oder die Handlung eines anderen auf diese Zusammenhänge aus, wie verschöbe sich deren Gefüge? Das sind zentrale Fragen der Philosophie. Sie ist die Mutter der bewussten Unterscheidung und damit auch des Zusammenhangs des Unterschiedenen.

Warum aber nun die Frage nach der Nachvollziehbarkeit meiner Entscheidungen und Handlungen für andere? Warum die Frage nach der Transparenz meiner Beweggründe, die Grundlage für die Nachvollziehbarkeit ist?

Für mich haben diese Fragen mit Bewusstheit, darauf aufbauendem Verantwortungsbewusstsein und dem darauf wieder aufbauenden Vertrauen zu tun.

Wenn ich mir selbst nicht über meine Beweggründe im Klaren bin, mir keine Rechenschaft über den Weg zu einer Entscheidung und meine Prioritäten und Werte ablegen kann, dann befindet sich ein Gutteil meiner Persönlichkeit "unter der Oberfläche". Sie ist selbst für mich damit wenig vorhersehbar und verlässlich. Dann kann ich mich immer nur wieder selbst überraschen - ob das dann aber auch immer positive Überraschungen sind, wage ich zu bezweifeln. Überraschung ist einfach nicht weit entfernt von Unberechenbarkeit. Und die ist Gift für jeden (sozialen) Zusammenhang. Niemand mag in einer unberechenbaren Natur leben; wir versuchen ständig, die Natur zu zähmen und berechenbarer zu machen, ihr die unliebsamen Überraschungen auszutreiben. Genauso wenig mag man mit unberechenbaren Menschen zusammen sein. (Dass am Ende trotz aller Mühe dann doch nicht alles berechenbar ist oder gemacht werden kann und wie PQ beim Auskommen damit hilft, soll Thema eines anderen Artikel sein.)

Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass ich selbst meine Entscheidungen nachvollziehen kann, sondern auch anderen Einblick gewähre, d.h. mich transparent mache und vorher selbst diese Transparenz für mich anstrebe. Zuerst gilt es, die Beweggründe aufzuspüren - was an dieser Stelle nicht bedeuten soll, sie in ihrem Gewicht zu ändern. Es geht zunächst nur um ihre Sammlung. Mehr will Transparenz nicht. Weiß ich, was mich bewegt, welche Kräfte in mir wirken?

Im zweiten Schritt geht es dann darum, die Zusammenhänge zwischen diesen Kräften zu bestimmen. Aneinandergereiht ergeben sie sozusagen eine innere Kausalkette. Erst wenn die aufgefädelt ist, dann kann ich sagen, ich bin mir einer Entscheidung bewusst. Erst dann kann ich auch zu ihr stehen und Verantwortung übernehmen.

Vertrauen können nun andere in mich umso eher fassen, je verständlicher ich für sie entscheide/handle. Mich kennenzulernen bedeutet nicht nur, die Ergebnisse meiner Entscheidungen/Handlungen einfach zu sehen, sondern auch die Wege dahin. Wo ich solche Einblicke in mich gewähre, da entsteht Nähe. Und wo Nähe entsteht, da kann Vertrauen gedeihen.

Wer begreift, warum etwas geschieht, was die Kausalkette dahinter ist, dem fällt es leichter, von dem was ist auf Zukünftiges zu schließen. Offenheit, Transparenz, Nachvollziehbarkeit heute reduziert damit Komplexität morgen. Denn Vertrauen ist ein Mittel zur Reduktion von Komplexität. Wo ich vertraue, muss ich nämlich eben nicht mehr ständig alle Einzelheiten beobachten und kontrollieren. Vertrautes kann ich als "Black Box" betrachten, d.h. seine komplexen inneren Zusammenhänge ausblenden.

So führt also PQ mittelbar über die Förderung von Vertrauen zu einer Reduktion von Komplexität, obwohl es zunächst anders erscheinen mag. Wenn ich aus einer Philosophischen Haltung heraus mir der Zusammenhänge und meiner Beweggründe bewusst werde, um Verantwortung zu übernehmen. Wenn für mich und andere Entscheidungs- und Handlungsketten darauf aufbauend nachvollziehbar werden. Dann kann ich auf mich vertrauen, dann können andere auf mich vertrauen. Und dann... dann kann das Transparente, das Nachvollziehbare sozusagen in ein Kästchen verpackt und erstmal ad acta gelegt werden. Dann ist keine weitere ständige Prüfung oder Wachsamkeit nötig. Das spart Kraft.

PQ bedeutet also nicht intellektuelle Hypertrophie in Form pausenlosen bewussten Hinterfragens. PQ steht vielmehr für die jederzeit abrufbare Fähigkeit, bei Bedarf bewusst zu sein, Rechenschaft ablegen zu können, transparent zu machen, Nachvollziehbarkeit herzustellen. Aber diese Fähigkeit muss nicht ständig auf alles angewandt werden. Im Gegenteil: Ihr Ziel ist es, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Auch Denken oder Bewusstheit ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Schritt auf dem Weg zu einem Ziel. Ist das erreicht - wie zum Beispiel Vertrauen in mich oder andere -, kann ich meine Schritte auch wieder woandershin lenken.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Fragen an PQ

Um sich über das eigene Verhalten klar zu werden, um sich selbst auf eine philosophische Haltung hin zu "überprüfen" ist es notwendig, nicht nur die Dinge, sondern auch sich selbst zu be- und hinterfragen.

- Wie nachvollziehbar ist mein Handeln/meine Entscheidung für andere?
- Wie transparent lege ich meine Beweggründe dar?
- Orientiert sich mein Verhalten an dem, was ist oder an dem, was sein sollte?
- Wie gehe ich mit Vorläufigkeit und Unverständlichkeit in meinem Umfeld um?
- Mit welchen Folgen rechne ich und wie will ich damit umgehen?
- Welche Ziele, welche Erwartungen habe ich an mein Handeln?

Die Liste ist natürlich individuell zu ergänzen...

Ina