Freitag, 23. März 2007

Sinnhaftigkeit braucht ein Gegenüber

Ina hat geschrieben "Sinnhaftigkeit entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns selbst entsprechen, dort wo wir sind" - das hört sich gut an. Selbstentsprechung, Kongurenz, Authentizität sind sicherlich grundsätzlich erstrebenswert.

Dennoch fehlt mir in der Beschreibung von Sinnhaftigkeit, d.h. dem Gefühl von Sinn im Leben, etwas. Und das ist das oder der andere, ein allgemeines alter, wo wir ego sind.

Sinnfülle können wir nicht aus uns selbst heraus ganz allein erzeugen. Als ego spüren wir Sinnfülle nur dort, wo wir für ein alter sind. Sinn im Leben entsteht nur im Geben und Geben braucht einen Empfänger. Ohne Gabe, ohne Ziel und Zweck der Gabe kein Sinn.

Umso unmittelbarer entsteht dabei dann für unser ego Sinnfülle, je persönlicher das Verhältnis zum alter. Je direkter uns Feedback zuteil wird, das unsere Gabe dankbar angenommen wird, je deutlicher wir uns wertgeschätzt fühlen, desto mehr Sinn empfinden wir.

Überraschend ist dabei nun, wie verschieden Gaben und Empfänger sein können und dennoch in uns das Gefühl von Sinnfülle erzeugen. Empfänger können einzelne Menschen oder Tiere sein, aber auch Gruppen oder Massen. Empfänger müssen uns auch nicht persönlich gegenüberstehen; sie können anonym und fern sein oder womöglich erst in der Zukunft existieren.

Und unsere Gaben müssen nicht materiell sein. Gegenstände, Handlungen, Worte, Ideen, ja sogar bloßes (Da)Sein kann als Gabe gelten.

Wasimmer wir im Guten für ein alter entscheiden, wieimmer wir uns einem Empfänger bewusst zuwenden in dem Wunsch, dass unsere Gabe wohlwollend angenommen werde, als Gabe von uns für ihn erkannte werde, ist sinnstiftend.

Allerdings empfinden wir den Sinn erst, wenn wir wieimmer auch geartet ein Feedback vom Empfänger bekommen, dass er uns durch und in unserer Gabe auch sieht.

Ob dieses Feedback in Form eines Lächelns oder eines Regenschauers nach langer Dürre kommt, ob das, was wir als Feedback wahrnehmen wirklich uns gilt oder wir uns das nur einbilden... das alles ist egal. Wir brauchen nur den Eindruck von Kausalität zu haben und empfinden Sinn.

Sinn braucht mithin Korrelation zwischen uns und jemandem oder etwas anderem. Sinnfülle ist damit auch nicht ein Zustand, sondern eher die Färbung eines Prozesses. Und dieser Prozess muss wohl umso bewusster ablaufen, je wechselnder unsere Gegenüber.

Oder umgekehrt: Da Prozesse immer Mühe machen, ist es wohl so, dass der Wunsch nach einem anhaltend sinnerfüllten Zustand umso größer ist, je wechselnder unsere Gegenüber sind. Dann beginnt die Suche nach Empfängern für unsere Gaben, die möglichst konstant sind.

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