Dienstag, 6. März 2007

PQ ist wie Autofahren

Den Gedanken des Zurücktretens fand ich sehr eindrücklich, Ralf und ich glaube, die Ent-deckung der eigenen Maßstäbe baut fast ein bisschen darauf auf - denn nur aus dem Blickwinkel, der entsteht, wenn ich drei Schritte hinter das Gewohnte und Selbstverständliche zurück mache, ist der, aus dem ich etwas über mich erkennen kann. Salman Rushdie hat das doch mal so schön gesagt, dass man eben nur das ganze Bild sehen kann, wenn man aus dem Rahmen fällt - und das ist doch eben das Spannende: im wahrsten Sinne dieses Wortes fällt man aus dem Rahmen, wenn man diese Perspektive einnimmt. Diese Haltung - die beschreibt, worum es auch PQ geht - ist etwas besonderes, man findet sie nicht so oft, und wenn, dann ist gibt es sehr seltsame Reaktionen darauf: von "das tut man nicht" bis "genial" ist alles dabei und aus diesen Reaktionen lässt sich meist mehr über ihre Vertreter sagen, als über die Inhalte, die zu diesen Reaktionen führen. Warum ist eine philosophische Haltung so ungewöhnlich oder ist sie nur ungewohnt im Sinne von unbequem? Ich bin überzeugt - ebenso wie Du Ralf - dass es in der geübten Umsetzung von PQ um die Freude geht, eine Freude, die sich daran entzündet, dass das Leben ist, wie es ist und in diesem Leben völlig andere Dinge zum Anlass ihrer Freude nimmt als das, was wir auf der Suche nach "Spass" (oft leider der hohle kleine Bruder der Freude) meinen, in unserem Leben unterbringen zu müssen. Das, was die Akzeptanz der Welt oder des Lebens ausmacht, ist nicht das passive Zurücktreten in die Innerlichkeit, sondern das Vertrauen und der Respekt für das, was ich in diesem Leben vorfinde. Ich bin in der Lage, mit all dem zu arbeiten, es zu gestalten, mich zu entwickeln und Veränderung auf den Weg zu bringen, das hat aber immer etwas damit zu tun, dass die Welt weiterhin das Material dafür stiftet und damit Anerkennung verdient. Tatsächliche Freude hat immer etwas mit "Berührung" tun, und wenn wir in dem erwähnten Zurücktreten nicht nur Innehalten, sondern uns von der Welt entfernen, dann verlieren wir die Möglichkeiten, diese Freude zu erleben. Es geht also um eine Bewegung, die zwischen dem Innen und Außen pendelt und beides stetig ins Verhältnis setzt. Diese Fähigkeit ist uns im Kern mitgegeben, meine Kinder beherrschen sie oft wie selbstverständlich, aber in Anbetracht dessen, was wir im Laufe der Zeit in unserem Leben an Aufgaben versammeln ist sie eine beständig "zu übende" - ein bisschen wie das Lenken eines Autos durch den Wald, auch wenn es manchmal aussieht, als täten wir nicht mehr als das Steuer in beiden Händen zu halten, wir müssen doch sehr aufmerksam dafür sorgen, dass der Wagen in dem Tempo auf der Strasse bleibt, auf der wir ihn haben wollen...

Ina

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