Samstag, 17. März 2007

Am Anfang das Innehalten

Kann jeder Menschen eine Philosophische Haltung einnehmen? Wahrscheinlich der eine mehr und der andere weniger. Bei der einen geht´s etwas schneller und leichter, bei der anderen langsamer und beschwerlicher. Das hängt sicherlich davon ab, wo jemand auf seinem Lebensweg steht und wie er dahin gekommen ist. Es gibt sicherlich Ausbildungen, Einstellungen, Sozialisierungen und psychische Strukturen, die PQ begünstigen oder eben behindern.

In jedem Fall steht PQ für eine Haltung und Fähigkeiten, die man erlernen kann. Niemand wird damit einfach so geboren, genausowenig wie Menschen als Wissenschaftler oder Priester geboren werden. Man macht sich vielmehr dazu. Eine Philosophische Haltung ist eine Wahl, kein Schicksal, genauso wie wissenschaftliche Rigorosität oder tiefer Glaube Schicksal sind. (Zumindest vom PQ-Standpunkt aus betrachtet; ein Gläubiger mag das anders sehen.)

PQ ist erlernbar. Aber wo anfangen? Für mich beginnt PQ mit dem, was man gemeinhin eben nicht mit Lernen verbindet: mit dem Innehalten. Wer etwas lernt, der will ja etwas tun und eben nicht nichts tun. Aber PQ ist da anders. Am Anfang von PQ steht das Innehalten, ja das Anhalten.

Nur im "angehaltenen Zustand" können wir nämlich wirklich bewusst sein. Solange wir uns bewegen und vor allem je schneller wir uns bewegen, desto enger ist unser (Tunnel)Blick. Bewusstheit ist aber genau das Gegenteil eines Tunnelblicks. Es ist eher wie der Rundumblick von der Bergspitze des Geistes auf die Landschaft eines Zusammenhangs.

PQ soll am Ende natürlich zu Entscheidungen und damit zu Handlungen führen. Aber die sollen ja eben durch uns und nicht die Umstände bestimmt sein. Je mehr wir jedoch in Eile sind, uns bewegen, durchs Leben hasten, desto mehr müssen wir einfach nur reagieren. Und Reagieren bedeutet, dass wir Entscheidungen unbewusst nach vorgefertigten Mustern fällen.

Freiheit uns Selbstbestimmungen brauchen daher Ruhe. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nur im Bett eine Philosophische Haltung einnehmen können. Nicht um äußere Ruhe und Bewegungslosigkeit geht es beim Innehalten, sondern um einen geistigen Stopp. Und der muss auch nicht stundenlang sein. Ein Aufblitzen, ein kurzes Verlangsamen, Zögern können reichen.

Was dieses Innehalten bedeutet, wird klar, wenn Sie sich einen Rennfahrer vorstellen. Ist Michael Schumacher während eines Rennens in seinem Formel 1 Boliden zu jeder Zeit frei, das Steuer nach Belieben zu drehen? Nein! Im Gegenteil: Das Steuer hat wegen der hohen Geschwindigkeit eines Rennwagens nur ein sehr kleines Spiel im Vergleich zum Steuer eines normalen PKWs.

Wirklich offen für eine Bewegung in jede Richtung ist nur jemand, der sich an einem Balancepunkt befindet. An einem Punkt also und nicht auf einer Flugbahn oder Rennstrecke. Selbstbestimmte Entscheidungen sind also nur möglich, wenn das, was in die eine oder andere Richtung fallen soll, im Moment keine Richtungspräferenz hat wie eine Münze, die auf ihrem Rand steht.

Innehalten stellt unseren Geist auf seine Spitze in Balance und macht es erst möglich, dass wir ergebnisoffen auf die Welt schauen. Erst im Innehalten können wir auch von der Welt zurücktreten und sie bewusst wahrnehmen. Wer im Rennwagen sitzt, blick zwar auch in die Welt - aber mit Tunnelblick nach vorn.

Innehalten ist wie eine Pause auf dem Hochsitz in einem Maislabyrinth, um in Ruhe einen Überblick zu gewinnen.

Menschen, die eine Philosophische Haltung einnehmen bzw. einüben wollen, stehen also zunächst einmal vor dem Problem zu lernen, inne zu halten. Wie schaffen Sie es, im Alltagsstress momentweise anzuhalten, Ihren Geist in Balance zu bringen und bewusst die Situation zu betrachten - um sie dann selbstbestimmt fortzusetzen?

Ich denke, dazu braucht es zunächst das Bewusstsein darüber, dass genau das für PQ nötig ist. Sie müssen sich immer wieder daran erinnern und sich somit sensibilisieren für Entscheidungssituationen. Es gilt, einen Automatismus zu etablieren, der Sie im Strom der Ereignisse an entscheidenden (sic!) Stellen immer wieder anhalten und wahrnehmen lässt, dass es um Ihre Selbstbestimmung geht.

Wie kommen Sie zu solch einem Automatismus? Ich denke, dazu bedarf es wiederkehrender Reflektion. Blicken Sie immer wieder zurück auf Ihren Alltag und überlegen Sie, in welchen Situationen Sie hätten innehalten sollen. Lassen Sie Muster für diese Situationen entstehen. Sensibilisieren Sie Ihr Gefühl für sie durch wertfreie Rückschau.

Oder lassen Sie sich durch andere Menschen reflektieren. Bitten Sie Partner und Freunde, Sie daran zu erinnern, inne zu halten. Andere haben oft ein besseres Gespür als wir selbst für unserer Gelegenheiten zum Innehalten. Sie sitzen ja nicht in unserem Rennwagen durch unseren Alltag, sondern beobachten uns von außen. Von dort können Sie uns dann quasi zuwinken und ermuntern, einmal kurz zur pausieren.

Im entscheidenden Moment inne zu halten und seinen Geist zu balancieren, um ergebnisoffen selbstbestimmt entscheiden zu können. Das ist der Anfang der Kunst von PQ.

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