Dienstag, 27. Februar 2007

Zurücktreten, bitte!

Das finde ich schön gesagt von dir, Ina: "PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen [...]." Genau deshalb lohnt nämlich die Erweiterung der Q-Liste! IQ ist die Intelligenz, bei der ist die "reine" Rationalität sehe. Nicht umsonst scheint der IQ ein Kind der Zeit von Behaviourismus und Rationalisierungswahn.

Die IQ-Intelligenz ist berechnend; bei ihr geht es um Leistung. Aber das Leben kann eben nicht durch Berechnung bewältigt werden. Und Freude ist schon gar nicht ein Thema der Berechnung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass irgendwann dieser kalten Berechnungsmanie die EQ-Intelligenz entgegengesetzt wurde. Damit kam wieder Wärme in den Umgang mit dem Leben. Der Mensch rückte wieder ins Bild. Es ging nicht länger nur um Leistung, also um den Menschen als (letztlich austauschbaren) Produktionsfaktor, sondern um das Innen (Emotionen, Selbstbewusstsein) und das Zwischen (soziale Kompetenz, Emphatie).

IQ wie EQ - so wichtig sie sind - scheinen mir nun aber beide (quasi notwendig) beschränkt oder, hm, selbstverliebt. Und das möchte PQ ausgleichen. PQ blickt über das konkret mit IQ zu lösende Problem hinaus. PQ versetzt den Menschen und das Zwischenmenschliche in einen Kontext. PQ ist die Intelligenz, die den "Blick über eben das hinaus" richtet, worum sich IQ und EQ drehen. PQ hebt den Blick von einer konkreten Situation wie von einer Näharbeit im Schoß und schaut ins Weite, ins Allgemeine, auf den Kontext, die Implikationen, letztlich auf das Ungewisse und (vielleicht noch) Unverständliche wie aus einem Fenster.

PQ tritt immer wieder zurück und befreit den Menschen aus den Fesseln von Sachzwängen und Dringlichkeit. So schön es klingt, wenn heute allerorten dazu geraten wird, doch mehr "im Hier und Jetzt" zu sein, so glaube ich doch, dass solcher Rat allzu pauschal ist. Das spezifisch Menschliche drückt sich nicht im IQ aus. Das spezifisch Menschliche ist auch nicht in der EQ zu finden. Spezifisch menschlich ist hingegen die Fähigkeit, sich eben nicht einfach von der Notwendigkeit einer rationalen Problemlösung oder einem Gefühl (an)treiben zu lassen, sondern... innezuhalten, zurückzutreten, nach zu denken.

Was sich dann daraus ergibt, wenn man zurücktritt, aufschaut vom Konkreten und den Blick weitet, das (!) ist das Thema von PQ. Damit umgehen zu können, ist das Ziel einer Philosophischen Haltung. Denn was dann plötzlich ins Gesichtsfeld tritt, ist nicht immer angenehm. Es rüttelt an der bisher gewonnenen Robustheit und verleitet zur Einschränkung der Offenheit.

-Ralf

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