Freitag, 16. Februar 2007

Position beziehen...

Das Intelligente an der Philosophie ist nicht, dass sie sich unendlich viele Gedanken zu machen scheint, sondern dass sie sich Gedanken um das macht, was sie sieht, was sie wahrnimmt und beobachtet. Zugegeben, sie bleibt meist im Bereich der geistigen Auseinandersetzung, aber das war nicht immer so.

Sokrates hat den Kern des philosophischen Handelns auf dem Marktplatz oder im Dialog mit seinen Schülern gepflegt - er hat so lang Fragen gestellt, bis er auf "dem Grund" angekommen war und wenn dieser Grund in der Erkenntnis lag, dass es ebendiesen nicht gibt, dann hat das einen sehr konkreten Nutzen. Es bedeutet, dass sich die Perspektive wandelt, mit der wir die Dinge betrachten. Das pointierte Stellen von Fragen bewirkt oft mehr als das Aneinanderreihen von scheinbaren Lösungsansätzen oder kompromissartigen Schnellschüssen, die schon im Ansatz als brüchig zu erkennen sind.

Wir haben im Umgang mit unserer eigenen Wahrnehmung ein grossartiges Instrument mit auf den Weg bekommen, um mit all den sinnlichen, emotionalen und geisten Impulsen fertig zu werden, die tagtäglich auf uns einströmen. Aber wir müssen uns bewusst sein, das wir dieses Instrument auch auf Empfang stellen müssen - sonst nützt es nichts. Ich meine das Denken, die bewusste Reflektion dessen, "was ist" und dieses "ist" in Bewegung hält.

Es geht nicht um ein statisches Denken, dass sich in Argumenten und rationalen Theorien verfängt, sondern um ein Denken, das sich als Instrument - als tool - anbietet, um in dem oft unverständlichen Chaos(äußerlich wie innerlich) eine Orientierung zu schaffen. Dabei bedeutet Orientierung eine wegweisende Unterstützung und gerade nicht das Finden letzter Erklärungen. Das Denken darf sich nicht über das stellen, worüber es nachdenkt - sonst entzieht es sich selbst die Grundlage, wird hochmütig und leer. Ein Phänomen, was uns in den Wissenschaften dieser Tage nicht selten begegnet...

Das Denken, das sich als ein tatsächlich philosophisches auszeichnet, will sich nicht von den Dingen abwenden, indem es sie in allgemeingültigen Theorien nivelliert, sondern möchte sie in ihrem organischen Mit- und Füreinander kennenlernen - vielleicht auch verstehen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass es mutig genug ist, eine eigene Position einzunehmen: wer fragen stellen will, muss wissen, an wen er sie richtet - wer den Kontakt zu anderen sucht, muss wissen, wo das andere anfängt und er selbst aufhört - wer den Dialog ernst meint, muss selbst etwas zu sagen haben.

In diesem Sinne würde ich heute gern Al Gore zum Helden der philosophischen Intelligenz erklären, der innerhalb weniger Wochen die Mahnungen der UNO zum Klimawandel in ein grossangelegtes Projekt umgesetzt hat: "Live Earth" - ein Konzert, das im Juli in verschiedenen Grossstädten dieser Welt auf die Notwendigkeit zum Handeln aufmerksam machen wird - sicher, dadurch wird das Ozon-Loch nicht schrumpfen. Es ist keine Lösung, aber es ist eine sehr deutliche Art, die Dinge, wie sie sind, in Frage zu stellen und an die Möglichkeiten einer Veränderung zu glauben.

-Ina

Keine Kommentare: