Dienstag, 20. Februar 2007

Gelegenheiten zur PQ

PQ, d.h. eine Philosophischen Haltung, ist für uns natürlich nicht einfach eine Sache der Fortführung einer Akronymreihe. Motto: "Ergänzen Sie die folgende Liste: EQ, IQ, MQ, __." PQ ist auch nicht als intellektuelle Spielerei zur Überbrückung von Werbepausen gedacht.

PQ ist für uns vielmehr eine Sache des Alltags. Wenn Karl Popper sagt, "Alle Menschen sind Philosophen", dann glauben wir, dass PQ Ausdruck genau dessen ist.

Für PQ ist also kein Studium notwendig, PQ erfordert kein religiöses Glaubensbekenntnis, man muss nicht einmal wissen, wer Karl Popper oder Kant oder Platon waren. Auch wenn in PQ der Begriff "Philosophie" steckt, ist ein speziell philosophisches Wissen - insb. zur Geschichte der Philosophie - nicht nötig.

Die Notwendigkeit einer PQ ergibt sich für uns einfach aus ihrem Nutzen im Hier und Jetzt. Drei Situationen mögen das veranschaulichen:
  • Morgens am Zeitunsgkiosk. Die Bildzeitung fragt in großen Lettern, ob es denn richtig sein könne, dass nun eine RAF-Terroristin frei komme.
  • Nachmittags beim Spaziergang. Eine Frau im Pelzmantel mit Hund führt ein nicht zu überhörendes Streitgespräch mit einem jungen Mann, der sich in "heiligem Zorn" darüber empört, dass sie den Tod unschuldiger Tiere zu ihrem Schmuck in Kauf genommen habe.
  • Abends an der Straße. Ein Kind fragt seine Mutter angesichts einiger Inline-Skater, die auf der Straße nebeneinander rollen, ob das denn erlaubt sei oder ob die nicht vielmehr auf den Fußgängerweg gehörten.
Ganz normale Situationen, ganz unterschiedliche Situationen. Welchen Nutzen soll in ihnen eine PQ haben? Wir meinen, PQ hilft, die in diesen Situationen mehr oder weniger offen gestellten Fragen zu beantworten.

Ob diese Fragen von allgemeinem Interesse sind und die Entscheidung für eine Antwort weitreichende Konsequenzen für eine Gesellschaft hat, oder ob diese Fragen nur kurz aufflackern und von sehr persönlichem Interesse sind, ist dabei unerheblich. Es sind in jedem Fall Fragen, die uns angehen. Sie stellen sich uns sozusagen in den Weg, fordern uns zum - wie immer kurzen - Innehalten auf, zu einer Stellungnahme. Sie sind wie kleine Weggabelungen, an denen wir uns für eine Richtung entscheiden müssen.

Diese Entscheidungen verändern dann zwar meist nicht unseren Weg in der physischen Welt, aber sie haben Einfluss auf unseren geistigen Weg. Jede Antwort, die wir uns geben, ist ein Baustein zu unserer Persönlichkeit und mithin ein Pflasterstein auf unserem (geistigen) Lebensweg.

Antworten wir Ja auf die Frage nach der Freilassung einer Terroristin, Ja zur Frage nach der Tötung von Tieren für Pelzmäntel, Ja zur Frage nach dem Inline-Skaten auf der Straße, dann bewegen wir uns geistig in eine andere Richtung als würden wir drei Mal mit Nein antworten.

Antworten auf diese und Millionen andere Fragen liegen nicht einfach in uns. Sie liegen auch nicht einfach "auf der Straße" oder stehen in Büchern. Wir müssen sie vielmehr immer und immer wieder selbst finden. Wir müssen uns für sie entscheiden. Selbst wenn wir auf eine neue Situation mit einer alten Antwort reagieren, wir die Antwort also scheinbar eben nicht finden mussten, weil sie ja schon in uns war, so müssen wir uns doch noch für diese alte Antwort entscheiden. Auch die Bestätigung oder Wiederverwendung einer Antwort ist eine Handlung und kein Zustand.

Wir meinen nun, dass PQ uns hilft, mit diesen ständig notwendigen Entscheidungen umzugehen. Deshalb steht für uns am Anfang von PQ die Bewusstmachung eben dieser Unausweichlichkeit der ständigen Entscheidung. Wir sind alle ständig gefragt. Die Welt fordert uns in jeder Minute auf, "Beziehe Stellung! Bekenne dich!"

-Ralf

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