Montag, 26. Februar 2007

Denken ist ein Glücksfall...

Das Denken ist gewissermassen die Anwendung von PQ - PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen und sich darin zu erschöpfen das anzuerkennen, was man als Kriterien zugelassen hat (ähnlich dem Spiel des Verstandes mit sich selbst, wie es Hannah Arendt sehr schön beschrieben hat), sondern das Philosophische daran ist der Blick über eben das hinaus und die "Freundschaft" mit dem möglicherweise Unverständlichen, was sich dahinter auftut.

Die Begegnung mit diesem Unverständlichen lässt nun zwei Möglichkeiten zu - zum einen, und das ist das, was Ralf mit der Freude und dem Streben nach Balance beschrieben hat, als die Begegnung mit etwas Neuem, das uns bereichert, das uns aufzeigt, was es sonst noch alles gibt und damit eher ein Fenster öffnet als eine Perspektive (nämlich unsere bisherige) zerstört.

Die andere ist die weitaus geläufiger, nämlich die Deutung, dass das Andere hinter der Grenze nun das Eigene bedroht, es vielleicht Lügen straft oder zumindest dazu aufruft, die Unvollkommenheit der eigenen Perspektive zuzugeben. Diese Beschreibung findet sich in dem eigentlich sehr schönen Band: Warum Denken traurig macht von George Steiner wieder und so sehr es auch nachvollziehbar ist, wie sehr unser menschlicher Geist an der eigenen Beschränktheit leidet, so sehr ist dieser Frust zu umgehen, wenn man das "Ziel" der geistigen Anstrengungen ändert. Wenn es nicht mehr darum geht, eine letzte Begründung zu finden, ein perfektes Lied zu schreiben oder immer genau das richtige zu tun, dann können wir dieses unerreichbar Wahre auch nicht permanent verfehlen: dann ist eben tatsächlich nur das, was ist und wenn wir dann in der Lage sind, dazu eine differenzierte Haltung einzunehmen - und nichts anderes bedeutet PQ - , herauszufinden, in welchem Verhältnis ich zu diesem "ist" stehe, dann ist das Denken alles andere als traurig, dann ist es die Quelle für tatsächliches Glück.

Ina

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