Dienstag, 27. Februar 2007

Zurücktreten, bitte!

Das finde ich schön gesagt von dir, Ina: "PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen [...]." Genau deshalb lohnt nämlich die Erweiterung der Q-Liste! IQ ist die Intelligenz, bei der ist die "reine" Rationalität sehe. Nicht umsonst scheint der IQ ein Kind der Zeit von Behaviourismus und Rationalisierungswahn.

Die IQ-Intelligenz ist berechnend; bei ihr geht es um Leistung. Aber das Leben kann eben nicht durch Berechnung bewältigt werden. Und Freude ist schon gar nicht ein Thema der Berechnung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass irgendwann dieser kalten Berechnungsmanie die EQ-Intelligenz entgegengesetzt wurde. Damit kam wieder Wärme in den Umgang mit dem Leben. Der Mensch rückte wieder ins Bild. Es ging nicht länger nur um Leistung, also um den Menschen als (letztlich austauschbaren) Produktionsfaktor, sondern um das Innen (Emotionen, Selbstbewusstsein) und das Zwischen (soziale Kompetenz, Emphatie).

IQ wie EQ - so wichtig sie sind - scheinen mir nun aber beide (quasi notwendig) beschränkt oder, hm, selbstverliebt. Und das möchte PQ ausgleichen. PQ blickt über das konkret mit IQ zu lösende Problem hinaus. PQ versetzt den Menschen und das Zwischenmenschliche in einen Kontext. PQ ist die Intelligenz, die den "Blick über eben das hinaus" richtet, worum sich IQ und EQ drehen. PQ hebt den Blick von einer konkreten Situation wie von einer Näharbeit im Schoß und schaut ins Weite, ins Allgemeine, auf den Kontext, die Implikationen, letztlich auf das Ungewisse und (vielleicht noch) Unverständliche wie aus einem Fenster.

PQ tritt immer wieder zurück und befreit den Menschen aus den Fesseln von Sachzwängen und Dringlichkeit. So schön es klingt, wenn heute allerorten dazu geraten wird, doch mehr "im Hier und Jetzt" zu sein, so glaube ich doch, dass solcher Rat allzu pauschal ist. Das spezifisch Menschliche drückt sich nicht im IQ aus. Das spezifisch Menschliche ist auch nicht in der EQ zu finden. Spezifisch menschlich ist hingegen die Fähigkeit, sich eben nicht einfach von der Notwendigkeit einer rationalen Problemlösung oder einem Gefühl (an)treiben zu lassen, sondern... innezuhalten, zurückzutreten, nach zu denken.

Was sich dann daraus ergibt, wenn man zurücktritt, aufschaut vom Konkreten und den Blick weitet, das (!) ist das Thema von PQ. Damit umgehen zu können, ist das Ziel einer Philosophischen Haltung. Denn was dann plötzlich ins Gesichtsfeld tritt, ist nicht immer angenehm. Es rüttelt an der bisher gewonnenen Robustheit und verleitet zur Einschränkung der Offenheit.

-Ralf

Montag, 26. Februar 2007

Denken ist ein Glücksfall...

Das Denken ist gewissermassen die Anwendung von PQ - PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen und sich darin zu erschöpfen das anzuerkennen, was man als Kriterien zugelassen hat (ähnlich dem Spiel des Verstandes mit sich selbst, wie es Hannah Arendt sehr schön beschrieben hat), sondern das Philosophische daran ist der Blick über eben das hinaus und die "Freundschaft" mit dem möglicherweise Unverständlichen, was sich dahinter auftut.

Die Begegnung mit diesem Unverständlichen lässt nun zwei Möglichkeiten zu - zum einen, und das ist das, was Ralf mit der Freude und dem Streben nach Balance beschrieben hat, als die Begegnung mit etwas Neuem, das uns bereichert, das uns aufzeigt, was es sonst noch alles gibt und damit eher ein Fenster öffnet als eine Perspektive (nämlich unsere bisherige) zerstört.

Die andere ist die weitaus geläufiger, nämlich die Deutung, dass das Andere hinter der Grenze nun das Eigene bedroht, es vielleicht Lügen straft oder zumindest dazu aufruft, die Unvollkommenheit der eigenen Perspektive zuzugeben. Diese Beschreibung findet sich in dem eigentlich sehr schönen Band: Warum Denken traurig macht von George Steiner wieder und so sehr es auch nachvollziehbar ist, wie sehr unser menschlicher Geist an der eigenen Beschränktheit leidet, so sehr ist dieser Frust zu umgehen, wenn man das "Ziel" der geistigen Anstrengungen ändert. Wenn es nicht mehr darum geht, eine letzte Begründung zu finden, ein perfektes Lied zu schreiben oder immer genau das richtige zu tun, dann können wir dieses unerreichbar Wahre auch nicht permanent verfehlen: dann ist eben tatsächlich nur das, was ist und wenn wir dann in der Lage sind, dazu eine differenzierte Haltung einzunehmen - und nichts anderes bedeutet PQ - , herauszufinden, in welchem Verhältnis ich zu diesem "ist" stehe, dann ist das Denken alles andere als traurig, dann ist es die Quelle für tatsächliches Glück.

Ina

Sonntag, 25. Februar 2007

Balance halten mit PQ - Ich bereue nichts

PQ soll helfen, ein "gutes Leben" zu führen, d.h. ein Leben in Freude, die sich nicht leicht trüben lässt ohne sich zu verschanzen.

Es gilt also, eine Balance zu halten zwischen...

  • Robustheit, Stabilität, Bewahren, Gegenwärtigem, Gleichem, Effizienz, Sicherheit
  • Offenheit, Flexibilität, Plastizität, Zukünftigem, Neuem, Anderem, Hoffnung
Sie ist unserer Meinung nach die Bedingung für die Möglichkeit eines "guten Lebens". Freude ohne eine Stabilität und Sicherheit nur ein flüchtiger Lichtblick in einer ansonsten angstmachenden Welt; Freude ohne Offenheit und Flexibilität hingegen verknöchert und führt zur Rückwärtsgewandtheit.

Freude kann also nur dort nachhaltig gedeihen, wo eine Balance herrscht zwischen nach innen und nach außen gewandten "Kräften", zwischen Bewahren und Veränderung.

Wie nun lässt sich diese Balance herstellen und erhalten? Ergibt sie sich nicht einfach so in jedem Menschen? Nein, leider nicht. Meistens sind Robustheit und Offenheit im deutlichen Ungleichgewicht. Zwar ist Balance nicht statisch, sondern ein ständiger Prozess, so dass auch während des Balancierens quasi ständig ein Ungleichgewicht herrscht, ja herrschen muss. Aber die Ungleichgewichte des erfolgreichen Balancierens sind minimal, wechseln ständig und bewegen sich idealerweise sehr eng um den infinitesimal kleinen Ruhepunkt der Balance herum.

Aber nicht nur stehen Robustheit und Offenheit meist in einem unausgewogenen Verhältnis zueinander und machen somit echte Freude zu einem immer wieder unkontrollierbar flüchtigen Erlebnis. Sie können, so meinen wir, kaum nachhaltig in Balance kommen, weil es an einem Bewusstsein darüber fehlt, dass eben diese Balance nötig ist.

Balancieren ist eine bewusste Handlung. Es balanciert nur, wer sich dazu entschlossen hat. Und es entschließt sich nur dazu, wer den Wert der Balance erkannt hat.

Bewusstheit, Erkenntnis, Entschluss gehören damit zu einem "guten Leben". Und genau darum geht es bei PQ. Eine Philosophische Haltung bemüht sich um Bewusstheit, strebt nach Erkenntnis und erleichtert den Entschluss.

Gerade ist durch die Verfilmung des Lebens der Edith Piaf wieder ihr Chansontitel und Lebensmotto "Non, je ne regrette rien" im Gespräch. Nichts zu bereuen, alles wieder so zu tun, wie man es schon getan hat, wenn man die Gelegenheit erhielte, übt wieder Faszination aus, ja erscheint geradezu erstrebenswert. Und... dieser Gedanke entspricht ganz dem, worum es PQ geht. Denn ohne Reue kann nur sein, wer bewusst lebt und entscheidet.

Bewusstheit ist die Voraussetzung für eigene Entscheidungen. Ohne Bewusstheit entscheidet man nicht selbst, sondern es wird durch unbewusste mentale Instanzen entschieden. Nur mit Bewusstheit wird man zum wahrhaft Agierenden und "Täter", ohne sie zum Reagierenden und "Opfer". Wer aber nur reagiert und "Opfer der Umstände" ist, der hat keine Wahl und keine Verantwortung. Beides ist aber Voraussetzung für Reue. Sie ist sozusagen die Kehrseite der Medaille und die mögliche Konsequenz. Nur wer bewusst entscheidet, kann sich falsch entscheiden und somit die Entscheidung auch bereuen.

Dass Edith Piaf sich als "Opfer der Umstände" gesehen hat, ist kaum anzunehmen. Ihre Versicherung, sie bereue nichts, entsprang mithin einer sehr bewussten Lebensweise. Oder anders: Eine sehr bewusste Lebensweise führt quasi notwendig zu einem Leben, über das man ausruft "Ich bereue nichts!" Denn wer stets bewusst entscheidet, wird sich nie für etwas entscheiden, von dem schon im Moment der Entscheidung gewiss ist, es sei später zu bereuen. Bewusste Entscheidungen können nicht anders ausfallen. Reue setzt die Möglichkeit zur anderen Entscheidung jedoch voraus.

Das Ziel von PQ könnte daher sein, ein Leben nach dem Motto von Edith Piaf zu führen: Ich bereue nichts!

-Ralf

Freitag, 23. Februar 2007

Ein "gutes Leben" als Ziel von PQ

PQ scheint uns eine zu den üblichen *Q wie IQ, EQ etc. eine zumindest interessante Ergänzung. Situationen, in denen eine PQ, eine Philosophische Haltung hilfreich sein kann, scheinen sich ständig zu ergeben. Aber worin liegt der Nutzen einer PQ?

Noch ein Q im Reigen der Vorhandenen ist kein Nutzen, sondern kann allenfalls ein Anlass sein, über die Nützlichkeit nachzudenken. Die Behauptung, es gäbe viele Situationen, in denen PQ nützlich ist, zeigt den Nutzen auch noch nicht unmittelbar, sondern behauptet ihn nur. Um nichts anderes ging es jedoch bisher. Wir wollten nur ersteinmal ein wenig Rahmen für PQ schaffen. Dieses Blog ist ja ein Tagebuch unserer eigenen Annäherung an PQ. Insofern gehen wir nicht geradeaus auf ein klares Ziel zu, sondern eher gewundene Wege in einen Nebel hinein. Und da stoßen wir jetzt auf die Frage: Was soll PQ konkret bringen? Wobei soll PQ helfen?

Unsere Antwort, kurz und knapp: PQ soll helfen, ein "gutes Leben" zu haben.

Hört sich einfach an, hört sich nach einem Gemeinplatz an. Ein "gutes Leben" haben doch alle möglichen "Praktiken" zum Ziel. Auch IQ und EQ und SQ wollen doch mehr oder weniger ausdrücklich helfen, ein "gutes Leben" zu führen, oder?

Klar, insofern reiht sich PQ erstmal nur in eine schon lange Reihe von Angeboten ein. Im Unterschied zu vielen anderen Angeboten können wir für PQ jedoch schon einmal festhalten: PQ ist nicht allein seligmachend. Mit PQ allein kann ein "gutes Leben" nicht erreicht werden. Dazu gehört mehr. Für uns ist PQ also ein Komplementärangebot zu anderen - von dem wir allerdings meinen, dass es eben auch ohne PQ nicht so gut zu erreichen ist, das "gute Leben".

Was macht denn nun aber aus unserer Sicht ein "gutes Leben" überhaupt aus? Wir meinen, es gehören mindestens folgende Aspekte dazu:
  • Freude
  • Robustheit
  • Offenheit
In einem "guten" Leben sollen die positiven, die freudigen Momente überwiegen. Lachen, Anerkennung, Geborgenheit, Sinnfülle, Freiheit, Entfaltung und Sicherheit sind für uns Aspekte der Freude. Eine präzisere Definition von Freude scheint uns nicht wichtig, denn solange wir pathologische Formen der Freude (z.B. Freude an der Verletzung anderer) außen vor lassen, scheint uns ein Konsenz über das, was zur Freude gehört, überkulturell evident. Jeder wird sich kompetent fühlen, eine freudvolle Situation von einer nicht freudvollen unterscheiden zu können.

Freude steht sicherlich im Zentrum eines "guten Lebens". Aber Freude allein ist sehr flüchtig. Zu einem "guten Leben" gehört für uns daher auch eine gewisse Robustheit. Ohne sie lässt sich Freude schnell trüben. Selbstvertrauen und Gelassenheit sind Aspekte solcher Robustheit oder Stabilität, die die freudvolle Persönlichkeit gegen die Widrigkeiten des Lebens schützen.

Freude braucht also Hilfe zu ihrer Bewahrung. Aber positives Bewahren kann umschlagen in negatives Einmauern. Robustheit braucht deshalb eine Gegenkraft. Wir meinen, Offenheit sollte diese Gegenkraft sein. Offenheit macht die Wälle gegen die Widrigkeiten des Lebens durchlässig. Ein "gutes Leben" braucht Wohlwollen, damit das Lächeln nicht gefriert. Wer der Welt nicht offen und wohlwollend entgegentritt, der verschanzt sich hinter seiner Robustheit.

Umgekehrt ist jemand, der Offenheit und Wohlwollen keine Robustheit entgegenstellt wie ein Blatt im Wind. Wer Offenheit über Stabilität stellt, verpasst die Chance auf die Entwicklung einer konturierten Persönlichkeit. Umgekehrt wird zur Betonkopf-Persönlichkeit, wer Stabilität über Offenheit stellt.

Ein "gutes Leben", in dessen Kern die Freude steht, braucht also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Robustheit und Offenheit.


Wir meinen nun, dass PQ helfen kann, nein geradezu notwendig ist, um ein solchermaßen definiertes "gutes Leben" allemal in unserer Zeit und in unserem Kulturraum zu führen.

-Ralf

Dienstag, 20. Februar 2007

Gelegenheiten zur PQ

PQ, d.h. eine Philosophischen Haltung, ist für uns natürlich nicht einfach eine Sache der Fortführung einer Akronymreihe. Motto: "Ergänzen Sie die folgende Liste: EQ, IQ, MQ, __." PQ ist auch nicht als intellektuelle Spielerei zur Überbrückung von Werbepausen gedacht.

PQ ist für uns vielmehr eine Sache des Alltags. Wenn Karl Popper sagt, "Alle Menschen sind Philosophen", dann glauben wir, dass PQ Ausdruck genau dessen ist.

Für PQ ist also kein Studium notwendig, PQ erfordert kein religiöses Glaubensbekenntnis, man muss nicht einmal wissen, wer Karl Popper oder Kant oder Platon waren. Auch wenn in PQ der Begriff "Philosophie" steckt, ist ein speziell philosophisches Wissen - insb. zur Geschichte der Philosophie - nicht nötig.

Die Notwendigkeit einer PQ ergibt sich für uns einfach aus ihrem Nutzen im Hier und Jetzt. Drei Situationen mögen das veranschaulichen:
  • Morgens am Zeitunsgkiosk. Die Bildzeitung fragt in großen Lettern, ob es denn richtig sein könne, dass nun eine RAF-Terroristin frei komme.
  • Nachmittags beim Spaziergang. Eine Frau im Pelzmantel mit Hund führt ein nicht zu überhörendes Streitgespräch mit einem jungen Mann, der sich in "heiligem Zorn" darüber empört, dass sie den Tod unschuldiger Tiere zu ihrem Schmuck in Kauf genommen habe.
  • Abends an der Straße. Ein Kind fragt seine Mutter angesichts einiger Inline-Skater, die auf der Straße nebeneinander rollen, ob das denn erlaubt sei oder ob die nicht vielmehr auf den Fußgängerweg gehörten.
Ganz normale Situationen, ganz unterschiedliche Situationen. Welchen Nutzen soll in ihnen eine PQ haben? Wir meinen, PQ hilft, die in diesen Situationen mehr oder weniger offen gestellten Fragen zu beantworten.

Ob diese Fragen von allgemeinem Interesse sind und die Entscheidung für eine Antwort weitreichende Konsequenzen für eine Gesellschaft hat, oder ob diese Fragen nur kurz aufflackern und von sehr persönlichem Interesse sind, ist dabei unerheblich. Es sind in jedem Fall Fragen, die uns angehen. Sie stellen sich uns sozusagen in den Weg, fordern uns zum - wie immer kurzen - Innehalten auf, zu einer Stellungnahme. Sie sind wie kleine Weggabelungen, an denen wir uns für eine Richtung entscheiden müssen.

Diese Entscheidungen verändern dann zwar meist nicht unseren Weg in der physischen Welt, aber sie haben Einfluss auf unseren geistigen Weg. Jede Antwort, die wir uns geben, ist ein Baustein zu unserer Persönlichkeit und mithin ein Pflasterstein auf unserem (geistigen) Lebensweg.

Antworten wir Ja auf die Frage nach der Freilassung einer Terroristin, Ja zur Frage nach der Tötung von Tieren für Pelzmäntel, Ja zur Frage nach dem Inline-Skaten auf der Straße, dann bewegen wir uns geistig in eine andere Richtung als würden wir drei Mal mit Nein antworten.

Antworten auf diese und Millionen andere Fragen liegen nicht einfach in uns. Sie liegen auch nicht einfach "auf der Straße" oder stehen in Büchern. Wir müssen sie vielmehr immer und immer wieder selbst finden. Wir müssen uns für sie entscheiden. Selbst wenn wir auf eine neue Situation mit einer alten Antwort reagieren, wir die Antwort also scheinbar eben nicht finden mussten, weil sie ja schon in uns war, so müssen wir uns doch noch für diese alte Antwort entscheiden. Auch die Bestätigung oder Wiederverwendung einer Antwort ist eine Handlung und kein Zustand.

Wir meinen nun, dass PQ uns hilft, mit diesen ständig notwendigen Entscheidungen umzugehen. Deshalb steht für uns am Anfang von PQ die Bewusstmachung eben dieser Unausweichlichkeit der ständigen Entscheidung. Wir sind alle ständig gefragt. Die Welt fordert uns in jeder Minute auf, "Beziehe Stellung! Bekenne dich!"

-Ralf

Freitag, 16. Februar 2007

Position beziehen...

Das Intelligente an der Philosophie ist nicht, dass sie sich unendlich viele Gedanken zu machen scheint, sondern dass sie sich Gedanken um das macht, was sie sieht, was sie wahrnimmt und beobachtet. Zugegeben, sie bleibt meist im Bereich der geistigen Auseinandersetzung, aber das war nicht immer so.

Sokrates hat den Kern des philosophischen Handelns auf dem Marktplatz oder im Dialog mit seinen Schülern gepflegt - er hat so lang Fragen gestellt, bis er auf "dem Grund" angekommen war und wenn dieser Grund in der Erkenntnis lag, dass es ebendiesen nicht gibt, dann hat das einen sehr konkreten Nutzen. Es bedeutet, dass sich die Perspektive wandelt, mit der wir die Dinge betrachten. Das pointierte Stellen von Fragen bewirkt oft mehr als das Aneinanderreihen von scheinbaren Lösungsansätzen oder kompromissartigen Schnellschüssen, die schon im Ansatz als brüchig zu erkennen sind.

Wir haben im Umgang mit unserer eigenen Wahrnehmung ein grossartiges Instrument mit auf den Weg bekommen, um mit all den sinnlichen, emotionalen und geisten Impulsen fertig zu werden, die tagtäglich auf uns einströmen. Aber wir müssen uns bewusst sein, das wir dieses Instrument auch auf Empfang stellen müssen - sonst nützt es nichts. Ich meine das Denken, die bewusste Reflektion dessen, "was ist" und dieses "ist" in Bewegung hält.

Es geht nicht um ein statisches Denken, dass sich in Argumenten und rationalen Theorien verfängt, sondern um ein Denken, das sich als Instrument - als tool - anbietet, um in dem oft unverständlichen Chaos(äußerlich wie innerlich) eine Orientierung zu schaffen. Dabei bedeutet Orientierung eine wegweisende Unterstützung und gerade nicht das Finden letzter Erklärungen. Das Denken darf sich nicht über das stellen, worüber es nachdenkt - sonst entzieht es sich selbst die Grundlage, wird hochmütig und leer. Ein Phänomen, was uns in den Wissenschaften dieser Tage nicht selten begegnet...

Das Denken, das sich als ein tatsächlich philosophisches auszeichnet, will sich nicht von den Dingen abwenden, indem es sie in allgemeingültigen Theorien nivelliert, sondern möchte sie in ihrem organischen Mit- und Füreinander kennenlernen - vielleicht auch verstehen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass es mutig genug ist, eine eigene Position einzunehmen: wer fragen stellen will, muss wissen, an wen er sie richtet - wer den Kontakt zu anderen sucht, muss wissen, wo das andere anfängt und er selbst aufhört - wer den Dialog ernst meint, muss selbst etwas zu sagen haben.

In diesem Sinne würde ich heute gern Al Gore zum Helden der philosophischen Intelligenz erklären, der innerhalb weniger Wochen die Mahnungen der UNO zum Klimawandel in ein grossangelegtes Projekt umgesetzt hat: "Live Earth" - ein Konzert, das im Juli in verschiedenen Grossstädten dieser Welt auf die Notwendigkeit zum Handeln aufmerksam machen wird - sicher, dadurch wird das Ozon-Loch nicht schrumpfen. Es ist keine Lösung, aber es ist eine sehr deutliche Art, die Dinge, wie sie sind, in Frage zu stellen und an die Möglichkeiten einer Veränderung zu glauben.

-Ina

Sonntag, 11. Februar 2007

Warum überhaupt PQ?

IQ, EQ, SQ, MQ... haben wir nicht schon genügend Quotienten? Wir sollen "allgemein" intelligent sein, also Probleme des Sprachlichen, der Mathematik oder der Orientierung lösen können (IQ). Es ist wichtig, "intelligent" mit zwischenmenschlichen Situationen umzugehen (EQ). Wir sollen unsere spirituelle Seite nicht vernachlässigen und "intelligent" mit der Sinnfrage des Lebens umgehen (SQ). Und natürlich ist auch Souveränität in Bezug auf moralische Probleme oder Fragen nach Recht und Fairness gefragt.

Galt vor 30 Jahren noch ein hoher IQ als Adelung der Person, so macht es heute - wie im Radio - der Mix. Nicht eine Intelligenz ist wichtig, multiple Intelligenzen sind in jedem Menschen zu erkennen und zu fördern. Mindestens acht sind heute schon identifiziert. Ist also eigentlich nicht schon alles zum Q-Thema gesagt?

Wir meinen, nein. Wir meinen, dass bei all diesen Intelligenzen etwas zu kurz kommt, das früher hoch im Kurs stand: das reflektierende Denken oder auch das Nach-denken.

Zahlenreihen fortsetzen zu können, unpassende Worte in einer Liste erkennen zu können, Empathie zu empfinden, fairen Umgang zu üben und auch über die harte materielle Welt hinaus zu blicken sind wünschenswerte Fähigkeiten. Ohne Frage. Aber war das denn schon alles? Zu welcher Intelligenz ließe sich z.B. die Fähigkeit rechnen, über diese Intelligenzen nachzudenken? Zu welcher Intelligenz gehören die kritische Fragen, die uns nach der IQ-Hype nun auch EQ etc. beschert haben? Welche Intelligenz hilft die Veränderungen der letzten 30 Jahre in der Sichtweise auf Intelligenzen zu bewältigen?

Wir meinen, dass dazu weder IQ, noch EQ, noch SQ ausreichen. Vielmehr scheint es nützlich, eine Intelligenz - oder allgemeiner: eine Haltung und Fähigkeiten - zu kultivieren, die Brücken schlägt zwischen den Intelligenzen. Der Mensch braucht ein Gegengewicht für zuviel IQ oder auch zuviel EQ. Und dieses Gegengewicht sehen wir aus seiner Fähigkeit zur Bewusstheit entspringen. Deshalb beschreibt PQ für uns auch zunächst eine Haltung. PQ nimmt seinen Ausgang mehr im Sein, denn im Haben. Es ist für uns Fundament und Rahmen für das Spiel der anderen Intelligenzen.

PQ statt PH haben wir dann als Akronym gewählt, ganz einfach um die Nähe zu den anderen Intelligenzen auszudrücken. Und - wir wollen es nicht verschweigen - auch Marketingüberlegungen haben ihren Teil dazu beigetragen. Denn eine gute Idee - und dafür halten wir PQ ;-) - ist nichts, solange sie sich nicht auf einen prägnanten Punkt bringen lässt, der in den Köpfen hängen bleibt. PQ in Anlehnung an IQ, EQ usw. schien uns da ein attraktives Etikett für das Meme "Philosophische Haltung".

-Ralf

Willkommen

Willkommen im Blog von Ina Schmidt und Ralf Westphal zum Thema PQ.

PQ steht für Philosophische Intelligenz oder Philosophische Haltung, auch wenn in diesen Begriffen zwar ein "P", aber kein "Q" vorkommt. Mit dem Akronym PQ möchten wir uns vielmehr in die Nähe von anderen "Intelligenzarten" rücken. IQ (der "intellektuelle" IntelligenzQuotient - wenn das kein Pleonasmus ist), EQ (Emotionaler intelligenzQuotient), SQ (Spiritueller oder Sinnorientierter intelligenzQuotient) und auch MQ (Moralischer intelligenzQuotient) sind ja schon in aller Munde.

Wir meinen nun, dass trotz aller Relevanz dieser Quotienten, dieser unterschiedlichen "Intelligenzen" die Welt durchaus noch von einer weiteren profitieren kann. Die bisherigen *Q decken schon ein schönes Spektrum des menschlichen Webens ab - aber etwas sehr Entscheidendes findet bei ihnen kaum Berücksichtigung. Die Vernunft, das Denken, die Reflektion wie sie in langer philosophischer Tradition entwickelt wurden, haben scheinbar keinen Platz im allgemeinen Q-Hype der letzten Jahre.

Diesen blinden Fleck möchten wir mit unseren Überlegungen zu PQ füllen. Das Blog ist dafür unsere Kladde, in der wir unsere Gedanken zunächst einmal aussprechen, reflektieren und kommentieren. Was wir später dann daraus machen... das werden wir sehen.

Wer die Entwicklung von PQ mitverfolgen möchte, ist herzlich eingeladen. Auch Kommentare sind uns jederzeit willkommen.

-Ina und Ralf