Montag, 17. Dezember 2007

Heute schon metagedacht?

Ein Buch über PQ rückt nun langsam, langsam näher. Eine Materialsammlung ist begonnen. Ein roter Faden will gelegt werden. Dabei stoße ich natürlich auf die Grundfrage, um welches Denken es denn eigentlich bei PQ geht.

Geht es um "normales" Denken? Hm... Was ist das eigentlich? Wann denken wir denn? Tun wir das nicht andauernd? Ist somit ein Buch, das Denken motivieren will, nicht überflüssig? Wikipedia definiert ja sehr breit "Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer aktiven inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen suchen." Da gibt es im Grunde kein Entrinnen; jeder denkt. Andauernd, immer wieder.

Und das ist auch gut so. Allerdings, so meint PQ, kommt es darauf an, wie (!) man denkt. Dass das in unterschiedlicher Weise möglich ist, drücken ja schon alltagssprachliche Nuancierungen wie "denken", "nachdenken", "überdenken", "vordenken" oder "mitdenken" aus. Aber ich glaube, dem kann noch etwas unterlegt werden. Eben eine Haltung und auch gewisse Techniken wie auch Grundsätze. Denn "Nachdenken" ist nicht nicht gleich "Nachdenken".

Insofern geht es bei PQ auch nicht um Problemlösung oder die Lösung von Rätseln im Speziellen. Heuristiken oder Kreativitätstechniken sind nicht das Thema von PQ.

Aber was denn dann? Mir fällt da der Begriff "Distanz" ein. PQ geht es um eine Distanzierung während des Denkens. PQ vertritt die Auffassung, dass Denken noch bessere Ergebnisse zeitigt, wenn man darüber nachdenkt. "Denken über´s Denken": das ist PQ. Insofern könnte ich wohl auch PQ als "Metadenken" beschreiben. Ja, das ist es wohl: PQ will dazu motivieren, zu metadenken.

Im Alltag denken Sie über diese Begebenheit oder jenes Problem nach. Dabei sind Sie ganz mit einem Thema beschäftigt. Das Denken richtet sich auf, dreht sich um dieses Thema. Sie denken mit - deshalb schätzt Sie ihr Chef. Sie denken voraus - deshalb schätzen Ihre Sportmannschaftskollegen sie. Sie überdenken wichtige Entschlüsse vor Bekanntgabe nochmal - dafür werden Sie als verantwortungsvoll geschätzt.

Und wann metadenken Sie? Wann denken Sie darüber nach, in welcher Weise Ihr Mitdenken, Vordenken, Überdenken abläuft? Welche Gewohnheiten haben Sie dabei? Welche Techniken setzen Sie ein, um sich Themen zu nähern? Wie finden Sie Alternativen für Entscheidungen und wählen zwischen Ihnen?

Mit diesen Voraussetzungen themenbezogenen Denkens beschäftigt sich PQ. Und deshalb scheint mir ein Buch zu PQ sinnvoll. Denn auch wenn es viel Literatur zur verschiedenen Spielarten des Denkens gibt (z.B. zu problemlösendem oder analytischem), so ist Metadenken doch eher kein Thema in den Bücherregalen. Sollte es aber sein! Denn einmal metagedacht spart womöglich Mühe beim Themendenken.

Freitag, 16. November 2007

Die große Konstante

Warum, warum, warum nur eine "Philosophische Intelligenz" (PQ) entwickeln? Die Frage treibt mich immer wieder um. Was sie ausmacht, ist mir recht klar - aber es auf den Punkt zu bringen, warum sie mir jetzt, hier und heute so wichtig erscheint... davon erhasche ich immer wieder nur einen Zipfel. Heute jedoch habe ich einen Fortschritt gemacht!

Bisher ging es eher ums "gute Leben". Hört sich plausibel an und ist auch nicht falsch. Aber irgendwas scheint mir noch darunter zu liegen, noch fundamentaler zu sein. Und mein heutiger Gedanke war, dass PQ eine Antwort auf den heutigen Zustand der Welt ist. Der ist charakterisiert durch Überfluss, oder neutraler: eine große Optionenvielfalt, und Vernetzung bzw. daraus resultierender Komplexität.

Überfluss konkret sind 50 Brotsorten statt genügend Brot zum Sattwerden. Komplexität konkret bedeutet, dass mein Brotkauf über viele, viele Stationen Einfluss auf jemanden in Indien hat; und umgekehrt die Befindlichkeit von Menschen im fernen China Einfluss auf meine nimmt.

Dieser Zustand der (westlichen?) Welt heute ist aber nur der aktuelle Endpunkt einer Kurve ständigen Anstiegs von Optionenvielfalt und Komplexität. Wachstum von Vielfalt und (auch daraus resultierender) Komplexität ist für mich die entscheidende, große Konstante.

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Klar, Kriege, Naturkatastrophen oder auch Dummheit/gesellschaftliche Katastrophen haben immer wieder Vielfalt und Komplexität auch verringert. Aber nur temporär oder regional begrenzt. Insgesamt sind sie über die letzten 5000 Jahre jedoch nur gestiegen. Mal langsamer, mal schneller.

Diese Entwicklung ist selbstverständlich nicht kontrolliert abgelaufen. Sie ist die Summe der Bemühungen unzähliger Individuen und sozialer Systeme.

Entwicklung - ob kontrolliert oder nicht - erfordert nun natürlich Anpassung. Die besteht in einer Vergrößerung der Freiheit der Individuen oder überhaupt in der Entwicklung von Individualität. Auch das scheint mir eine historische Konstante - allerdings ist die Zunahme von Freiheit weniger stark, sie erlebt immer wieder Rückschläge.

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Jeder Form von Totalitarismus ist ein solcher Rückschlag, jedes Dogma, jede Ideologie. Denn Ideologie ist starr - das ist ihr Wesen - und wirkt bei gegebenem Zuwachs an Vielfalt und Komplexität wie ein Korsett. Ideologie ist per se untauglich, mit wachsender Komplexität umzugehen. Denn Komplexität verlang flexible Reaktion, die Akzeptanz des Unvorhersehbaren - Ideologie besteht immer darin, Unvorhersehbarkeit zu reduzieren. Ihre Regeln von heute sollen taugliche Hilfen sein für das durch Komplexität Unvorhersebare von morgen.

Ideologien und Totalitarismus unterliegen immer einer Kontrollillusion. Sie haben zu wollen, mag verständlich sein. Sie zeitweise durchzusetzen ist - wie die Geschichte beweist - möglich. Langfristig verhindern sie aber nicht die Zunahme der Komplexität und damit auch die steigende Notwendigkeit (!) für individuelle Freiheit. Denn je höher die Komplexität, desto geringer die Möglichkeit, das komplexe System zentral zu steuern.

Solange biologische Individuen nach mehr Vielfalt streben - und das scheint angesichts seiner Konstanz im Kern des Menschseins zu liegen - verurteilen sie sich selbst (!) zu immer mehr Freiheit, wenn sie nicht unter der Last der selbstverschuldeten Komplexität zusammenbrechen wollen. Mehr Komplexität braucht mehr Dezentralisierung. Die ultimative Dezentralisierung besteht in hochgradiger Individualisierung, im freien und verantwortungsvollen und optionenbewussten und vielfaltsfähigen Einzelnen.

Aus meiner Sicht trägt PQ nun dazu bei, angesichts der unleugnbaren Komplexität und Vielfalt unserer Welt, den Einzelnen zu befähigen, angemessen mit ihr umzugehen. Für sich und für die anderen in den mehr oder weniger großen sozialen Systemen, deren Teil er ist. Und das für eine möglichst lange Zeit. Nachhaltig also.

PQ zu entwickeln erscheint mir insofern zeitgemäß wie auch nötig, solange jemand der großen Konstante "Vielfalt und Komplexität steigen" zustimmt. Wer möchte, dass Vielfalt und Komplexität ganz grundsätzlich weiterhin zu unser aller Wohl zunehmen, der kann keine Hilfe in Dogmen und Ideologien suchen. Vielfalt, Wohlstand: sie widersprechen jedem Korsett.

Aber Dogmen und Ideologien haben (scheinbar) gestern ja noch geholfen. Wenn sie nun als nicht zukunftsfähig erkannt sind (oder zumindest nicht vielfaltsförderlich), was soll an ihre Stelle treten? Ich meine, PQ ist eine Haltung, die hilft, das entstehende Vakuum zu füllen.

Vielfalt und Komplexität nehmen zu. Vielfalt und Komplexität brauchen individuelle freie Befähigung für den Umgang mit ihnen. PQ stärkt die Individualität und die Freiheit. Das scheint mir der Ausgangspunkt für, das Fundament von, die Motivation hinter PQ zu sein.

Auf die historischen Kurven bezogen bedeutet das: PQ will die Freiheitskurve der Vielfaltskurve annähern und der Vielfaltskurve zu einer ungehinderteren positiven und bewussten Entwicklung verhelfen.

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Samstag, 5. Mai 2007

Warum Transparenz?

Ina hat einige Fragen aufgeworfen, die für eine Philosophische Haltung oder besser, denjenigen, der sie einnehmen will oder meint, schon eingenommen zu haben, von Interesse sein sollten. Sich diese Fragen immer wieder einmal zu stellen, schärft das Bewusstsein für sich selbst und die eigene Position im engeren oder weiteren (sozialen) Zusammenhang. Denn um Zusammenhang geht es bei allem Philosophieren und also auch bei PQ.

Was macht mich aus, wie sind die Zusammenhänge meiner "Teile", dessen, was ich bin und tue? Wie stehe ich in Zusammenhang mit der Welt um mich herum? Woraus besteht die Welt, wie hängen ihre "Teile" zusammen? Wie wirkt sich schließlich meine Handlung oder die Handlung eines anderen auf diese Zusammenhänge aus, wie verschöbe sich deren Gefüge? Das sind zentrale Fragen der Philosophie. Sie ist die Mutter der bewussten Unterscheidung und damit auch des Zusammenhangs des Unterschiedenen.

Warum aber nun die Frage nach der Nachvollziehbarkeit meiner Entscheidungen und Handlungen für andere? Warum die Frage nach der Transparenz meiner Beweggründe, die Grundlage für die Nachvollziehbarkeit ist?

Für mich haben diese Fragen mit Bewusstheit, darauf aufbauendem Verantwortungsbewusstsein und dem darauf wieder aufbauenden Vertrauen zu tun.

Wenn ich mir selbst nicht über meine Beweggründe im Klaren bin, mir keine Rechenschaft über den Weg zu einer Entscheidung und meine Prioritäten und Werte ablegen kann, dann befindet sich ein Gutteil meiner Persönlichkeit "unter der Oberfläche". Sie ist selbst für mich damit wenig vorhersehbar und verlässlich. Dann kann ich mich immer nur wieder selbst überraschen - ob das dann aber auch immer positive Überraschungen sind, wage ich zu bezweifeln. Überraschung ist einfach nicht weit entfernt von Unberechenbarkeit. Und die ist Gift für jeden (sozialen) Zusammenhang. Niemand mag in einer unberechenbaren Natur leben; wir versuchen ständig, die Natur zu zähmen und berechenbarer zu machen, ihr die unliebsamen Überraschungen auszutreiben. Genauso wenig mag man mit unberechenbaren Menschen zusammen sein. (Dass am Ende trotz aller Mühe dann doch nicht alles berechenbar ist oder gemacht werden kann und wie PQ beim Auskommen damit hilft, soll Thema eines anderen Artikel sein.)

Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass ich selbst meine Entscheidungen nachvollziehen kann, sondern auch anderen Einblick gewähre, d.h. mich transparent mache und vorher selbst diese Transparenz für mich anstrebe. Zuerst gilt es, die Beweggründe aufzuspüren - was an dieser Stelle nicht bedeuten soll, sie in ihrem Gewicht zu ändern. Es geht zunächst nur um ihre Sammlung. Mehr will Transparenz nicht. Weiß ich, was mich bewegt, welche Kräfte in mir wirken?

Im zweiten Schritt geht es dann darum, die Zusammenhänge zwischen diesen Kräften zu bestimmen. Aneinandergereiht ergeben sie sozusagen eine innere Kausalkette. Erst wenn die aufgefädelt ist, dann kann ich sagen, ich bin mir einer Entscheidung bewusst. Erst dann kann ich auch zu ihr stehen und Verantwortung übernehmen.

Vertrauen können nun andere in mich umso eher fassen, je verständlicher ich für sie entscheide/handle. Mich kennenzulernen bedeutet nicht nur, die Ergebnisse meiner Entscheidungen/Handlungen einfach zu sehen, sondern auch die Wege dahin. Wo ich solche Einblicke in mich gewähre, da entsteht Nähe. Und wo Nähe entsteht, da kann Vertrauen gedeihen.

Wer begreift, warum etwas geschieht, was die Kausalkette dahinter ist, dem fällt es leichter, von dem was ist auf Zukünftiges zu schließen. Offenheit, Transparenz, Nachvollziehbarkeit heute reduziert damit Komplexität morgen. Denn Vertrauen ist ein Mittel zur Reduktion von Komplexität. Wo ich vertraue, muss ich nämlich eben nicht mehr ständig alle Einzelheiten beobachten und kontrollieren. Vertrautes kann ich als "Black Box" betrachten, d.h. seine komplexen inneren Zusammenhänge ausblenden.

So führt also PQ mittelbar über die Förderung von Vertrauen zu einer Reduktion von Komplexität, obwohl es zunächst anders erscheinen mag. Wenn ich aus einer Philosophischen Haltung heraus mir der Zusammenhänge und meiner Beweggründe bewusst werde, um Verantwortung zu übernehmen. Wenn für mich und andere Entscheidungs- und Handlungsketten darauf aufbauend nachvollziehbar werden. Dann kann ich auf mich vertrauen, dann können andere auf mich vertrauen. Und dann... dann kann das Transparente, das Nachvollziehbare sozusagen in ein Kästchen verpackt und erstmal ad acta gelegt werden. Dann ist keine weitere ständige Prüfung oder Wachsamkeit nötig. Das spart Kraft.

PQ bedeutet also nicht intellektuelle Hypertrophie in Form pausenlosen bewussten Hinterfragens. PQ steht vielmehr für die jederzeit abrufbare Fähigkeit, bei Bedarf bewusst zu sein, Rechenschaft ablegen zu können, transparent zu machen, Nachvollziehbarkeit herzustellen. Aber diese Fähigkeit muss nicht ständig auf alles angewandt werden. Im Gegenteil: Ihr Ziel ist es, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Auch Denken oder Bewusstheit ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Schritt auf dem Weg zu einem Ziel. Ist das erreicht - wie zum Beispiel Vertrauen in mich oder andere -, kann ich meine Schritte auch wieder woandershin lenken.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Fragen an PQ

Um sich über das eigene Verhalten klar zu werden, um sich selbst auf eine philosophische Haltung hin zu "überprüfen" ist es notwendig, nicht nur die Dinge, sondern auch sich selbst zu be- und hinterfragen.

- Wie nachvollziehbar ist mein Handeln/meine Entscheidung für andere?
- Wie transparent lege ich meine Beweggründe dar?
- Orientiert sich mein Verhalten an dem, was ist oder an dem, was sein sollte?
- Wie gehe ich mit Vorläufigkeit und Unverständlichkeit in meinem Umfeld um?
- Mit welchen Folgen rechne ich und wie will ich damit umgehen?
- Welche Ziele, welche Erwartungen habe ich an mein Handeln?

Die Liste ist natürlich individuell zu ergänzen...

Ina

Freitag, 23. März 2007

Sinnhaftigkeit braucht ein Gegenüber

Ina hat geschrieben "Sinnhaftigkeit entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns selbst entsprechen, dort wo wir sind" - das hört sich gut an. Selbstentsprechung, Kongurenz, Authentizität sind sicherlich grundsätzlich erstrebenswert.

Dennoch fehlt mir in der Beschreibung von Sinnhaftigkeit, d.h. dem Gefühl von Sinn im Leben, etwas. Und das ist das oder der andere, ein allgemeines alter, wo wir ego sind.

Sinnfülle können wir nicht aus uns selbst heraus ganz allein erzeugen. Als ego spüren wir Sinnfülle nur dort, wo wir für ein alter sind. Sinn im Leben entsteht nur im Geben und Geben braucht einen Empfänger. Ohne Gabe, ohne Ziel und Zweck der Gabe kein Sinn.

Umso unmittelbarer entsteht dabei dann für unser ego Sinnfülle, je persönlicher das Verhältnis zum alter. Je direkter uns Feedback zuteil wird, das unsere Gabe dankbar angenommen wird, je deutlicher wir uns wertgeschätzt fühlen, desto mehr Sinn empfinden wir.

Überraschend ist dabei nun, wie verschieden Gaben und Empfänger sein können und dennoch in uns das Gefühl von Sinnfülle erzeugen. Empfänger können einzelne Menschen oder Tiere sein, aber auch Gruppen oder Massen. Empfänger müssen uns auch nicht persönlich gegenüberstehen; sie können anonym und fern sein oder womöglich erst in der Zukunft existieren.

Und unsere Gaben müssen nicht materiell sein. Gegenstände, Handlungen, Worte, Ideen, ja sogar bloßes (Da)Sein kann als Gabe gelten.

Wasimmer wir im Guten für ein alter entscheiden, wieimmer wir uns einem Empfänger bewusst zuwenden in dem Wunsch, dass unsere Gabe wohlwollend angenommen werde, als Gabe von uns für ihn erkannte werde, ist sinnstiftend.

Allerdings empfinden wir den Sinn erst, wenn wir wieimmer auch geartet ein Feedback vom Empfänger bekommen, dass er uns durch und in unserer Gabe auch sieht.

Ob dieses Feedback in Form eines Lächelns oder eines Regenschauers nach langer Dürre kommt, ob das, was wir als Feedback wahrnehmen wirklich uns gilt oder wir uns das nur einbilden... das alles ist egal. Wir brauchen nur den Eindruck von Kausalität zu haben und empfinden Sinn.

Sinn braucht mithin Korrelation zwischen uns und jemandem oder etwas anderem. Sinnfülle ist damit auch nicht ein Zustand, sondern eher die Färbung eines Prozesses. Und dieser Prozess muss wohl umso bewusster ablaufen, je wechselnder unsere Gegenüber.

Oder umgekehrt: Da Prozesse immer Mühe machen, ist es wohl so, dass der Wunsch nach einem anhaltend sinnerfüllten Zustand umso größer ist, je wechselnder unsere Gegenüber sind. Dann beginnt die Suche nach Empfängern für unsere Gaben, die möglichst konstant sind.

Dienstag, 20. März 2007

Innehalten und Besonnenheit

Bei Ralfs Gedanken über das "Innehalten" und der Frage nach dem, wie es uns gelingen kann, auch im grössten Alltagsstress anzuhalten, um uns nicht verloren zu gehen, ging mir immer wieder der Begriff der Besonnenheit, die "Besinnung" durch den Kopf, die vielleicht so etwas wie das kleine und tägliche Ziel einer philosophischen Haltung sein kann. PQ bringt uns zur Besinnung - und schafft damit eine wirkliche und ernstzunehmende Ge-lassenheit im Umgang mit dem, was um uns herum geschieht. Das mag wie ein frommer Wunsch klingen, aber wenn wir uns von der Vorstellung befreien, einen Überblick nur deswegen gewinnen zu wollen, um die Kontrolle zu gewinnen (wie bei unserem Autofahrbeispiel), dann greift es zu kurz. Wir schaffen uns einen Überblick über den Kontext, in dem wir uns bewegen, nicht über den gesamten Lauf der Welt und der Dinge - wenn wir unseren Kontext erweitern können, ist das wunderbar, aber sobald wir es nicht auf eine "letzte Erkenntnis" anlegen, können wir auch nicht daran scheitern oder verzweifeln. Das Innehalten und die Besinnung hat etwas mit einem sehr individuellen Ziel zu tun - niemand als wir selbst können bestimmen, wann wir zur Besinnung kommen bzw. wann wir wieder aufbrechen wollen, um in der nächsten Schleife der Geschwindigkeit anzuhalten und nach dem "Sinn" zu fragen. Dieser Sinn besteht demnach nicht in festzulegenden Inhalten - also: sinnvolles Leben muss sich aus "einem guten Job, Familie, einem Haustier und mindestens einer ehrenamtlichen Tätigkeit" zusammensetzen, sondern Sinnhaftigkeit entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns selbst entsprechen, dort wo wir sind. Dann haben wir keine Ansprüche an das Außen, aber hoffentlich ein Interesse, eine Neugier und die Lust zum Dialog -. das aber ist etwas anderes und hat nichts mit Kontrolle zu tun: es lässt die Dinge sein.
Wenn wir also stetig Innehalten und zur Besinnung kommen, um dann den nächsten Schritt zu tun, dann nutzen wir diese Bewegung für eine persönliche Entwicklung, die ihren Wert in sich selbst trägt und damit zu einem inneren Kompass werden kann - und diesen Nutzen stiftet allein der reflektierte Umgang mit dem Verhältnis, das wir als unvollkommene, vereinzelte Individuen zu unserer Welt einnehmen - nicht anderes ist PQ.

Samstag, 17. März 2007

Am Anfang das Innehalten

Kann jeder Menschen eine Philosophische Haltung einnehmen? Wahrscheinlich der eine mehr und der andere weniger. Bei der einen geht´s etwas schneller und leichter, bei der anderen langsamer und beschwerlicher. Das hängt sicherlich davon ab, wo jemand auf seinem Lebensweg steht und wie er dahin gekommen ist. Es gibt sicherlich Ausbildungen, Einstellungen, Sozialisierungen und psychische Strukturen, die PQ begünstigen oder eben behindern.

In jedem Fall steht PQ für eine Haltung und Fähigkeiten, die man erlernen kann. Niemand wird damit einfach so geboren, genausowenig wie Menschen als Wissenschaftler oder Priester geboren werden. Man macht sich vielmehr dazu. Eine Philosophische Haltung ist eine Wahl, kein Schicksal, genauso wie wissenschaftliche Rigorosität oder tiefer Glaube Schicksal sind. (Zumindest vom PQ-Standpunkt aus betrachtet; ein Gläubiger mag das anders sehen.)

PQ ist erlernbar. Aber wo anfangen? Für mich beginnt PQ mit dem, was man gemeinhin eben nicht mit Lernen verbindet: mit dem Innehalten. Wer etwas lernt, der will ja etwas tun und eben nicht nichts tun. Aber PQ ist da anders. Am Anfang von PQ steht das Innehalten, ja das Anhalten.

Nur im "angehaltenen Zustand" können wir nämlich wirklich bewusst sein. Solange wir uns bewegen und vor allem je schneller wir uns bewegen, desto enger ist unser (Tunnel)Blick. Bewusstheit ist aber genau das Gegenteil eines Tunnelblicks. Es ist eher wie der Rundumblick von der Bergspitze des Geistes auf die Landschaft eines Zusammenhangs.

PQ soll am Ende natürlich zu Entscheidungen und damit zu Handlungen führen. Aber die sollen ja eben durch uns und nicht die Umstände bestimmt sein. Je mehr wir jedoch in Eile sind, uns bewegen, durchs Leben hasten, desto mehr müssen wir einfach nur reagieren. Und Reagieren bedeutet, dass wir Entscheidungen unbewusst nach vorgefertigten Mustern fällen.

Freiheit uns Selbstbestimmungen brauchen daher Ruhe. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nur im Bett eine Philosophische Haltung einnehmen können. Nicht um äußere Ruhe und Bewegungslosigkeit geht es beim Innehalten, sondern um einen geistigen Stopp. Und der muss auch nicht stundenlang sein. Ein Aufblitzen, ein kurzes Verlangsamen, Zögern können reichen.

Was dieses Innehalten bedeutet, wird klar, wenn Sie sich einen Rennfahrer vorstellen. Ist Michael Schumacher während eines Rennens in seinem Formel 1 Boliden zu jeder Zeit frei, das Steuer nach Belieben zu drehen? Nein! Im Gegenteil: Das Steuer hat wegen der hohen Geschwindigkeit eines Rennwagens nur ein sehr kleines Spiel im Vergleich zum Steuer eines normalen PKWs.

Wirklich offen für eine Bewegung in jede Richtung ist nur jemand, der sich an einem Balancepunkt befindet. An einem Punkt also und nicht auf einer Flugbahn oder Rennstrecke. Selbstbestimmte Entscheidungen sind also nur möglich, wenn das, was in die eine oder andere Richtung fallen soll, im Moment keine Richtungspräferenz hat wie eine Münze, die auf ihrem Rand steht.

Innehalten stellt unseren Geist auf seine Spitze in Balance und macht es erst möglich, dass wir ergebnisoffen auf die Welt schauen. Erst im Innehalten können wir auch von der Welt zurücktreten und sie bewusst wahrnehmen. Wer im Rennwagen sitzt, blick zwar auch in die Welt - aber mit Tunnelblick nach vorn.

Innehalten ist wie eine Pause auf dem Hochsitz in einem Maislabyrinth, um in Ruhe einen Überblick zu gewinnen.

Menschen, die eine Philosophische Haltung einnehmen bzw. einüben wollen, stehen also zunächst einmal vor dem Problem zu lernen, inne zu halten. Wie schaffen Sie es, im Alltagsstress momentweise anzuhalten, Ihren Geist in Balance zu bringen und bewusst die Situation zu betrachten - um sie dann selbstbestimmt fortzusetzen?

Ich denke, dazu braucht es zunächst das Bewusstsein darüber, dass genau das für PQ nötig ist. Sie müssen sich immer wieder daran erinnern und sich somit sensibilisieren für Entscheidungssituationen. Es gilt, einen Automatismus zu etablieren, der Sie im Strom der Ereignisse an entscheidenden (sic!) Stellen immer wieder anhalten und wahrnehmen lässt, dass es um Ihre Selbstbestimmung geht.

Wie kommen Sie zu solch einem Automatismus? Ich denke, dazu bedarf es wiederkehrender Reflektion. Blicken Sie immer wieder zurück auf Ihren Alltag und überlegen Sie, in welchen Situationen Sie hätten innehalten sollen. Lassen Sie Muster für diese Situationen entstehen. Sensibilisieren Sie Ihr Gefühl für sie durch wertfreie Rückschau.

Oder lassen Sie sich durch andere Menschen reflektieren. Bitten Sie Partner und Freunde, Sie daran zu erinnern, inne zu halten. Andere haben oft ein besseres Gespür als wir selbst für unserer Gelegenheiten zum Innehalten. Sie sitzen ja nicht in unserem Rennwagen durch unseren Alltag, sondern beobachten uns von außen. Von dort können Sie uns dann quasi zuwinken und ermuntern, einmal kurz zur pausieren.

Im entscheidenden Moment inne zu halten und seinen Geist zu balancieren, um ergebnisoffen selbstbestimmt entscheiden zu können. Das ist der Anfang der Kunst von PQ.

Mittwoch, 14. März 2007

PQ - Eigenschaft oder Fähigkeit?

Durch das Bild des "Lenkens", das bei dem Fahren durch den Wald entstanden ist, entsteht die Frage, inwieweit "PQ" eine Haltung ist, die uns entweder als Talent gegeben ist, die wir wie eine Eigenschaft ausprägen können oder ob sie eher eine zu übende und zu erlernende Fähigkeit ist - etwas das auch Menschen zugänglich ist, denen das "Talent" dazu versagt geblieben ist...

Etwas anders: Gibt es Menschen, die sich automatisch im Sinne einer "PQ" verhalten, ohne zu wissen, dass sie es tun, braucht es dazu immer einen Anstoss von außen und gibt es MEnschen, die nicht in der Lage sind, zu einer solchen Haltung Zugang zu finden?

Letzteres lässt sich denke ich verneinen, auch wenn es sicher unterschiedlich hohe Widerstände gegen eine selbstbestimmtes Handeln und Denken gibt und es Menschen gibt, die vor lauter Furcht und Gewohnheit nicht wissen, wie und wo sie anfangen müssen - dann stellt sich die Frage, ob es nur durch Grenzsituationen, Verluste, grosse Veränderungen u.ä. wieder einen Weg zu dem findet, was wir mit PQ meinen. Die lassen sich nicht künstlich erzeugen, also gilt es, auf etwas sanfterem Weg Möglichkeiten zu schaffen, nicht nur von der Idee "PQ" berichten, sondern auch konkrete Einblicke in das zu eröffnen, was sie als Bereicherung mit sich bringt. Wie kann das aussehen? Wieder ein GEdanke, den es zu "verfolgen" gilt, ich hoffe, wir kriegen ihn.

Mittwoch, 7. März 2007

Lernen mit PQ

Das Bild von Ina, PQ sei wie Autofahren im Wald, finde ich interessant. Es berührt für mich einen Grundaspekt unseres Lebens und Webens: Die Notwendigkeit zur ständigen Anpassung.

Das Leben ist nie statisch. Leben ist Veränderung. Unsere Brust hebt und senkt sich lebenslang im Atmen. Unser Blut fließt lebenslang durch unsere Adern. Unsere Nervenzellen leiten lebenslang Impulse. Und von außen dringen immer, immer, immer Eindrücke auf uns ein, zu denen wir Stellung nehmen müssen. Mal durch eine unbewusste Handbewegung, um eine Flieg zu verscheuchen... Aber oft eben auch durch bewusstes Urteilen.

Das Ergebnis jedes bewussten und unbewussten Urteils, jeder Entscheidung ist dann irgendeine Handlung. Handbewegung, Sprung, Antwort, Gedanke. Sogar Passivität ist eine Handlung im Sinne des Ergebnisses einer Entscheidung.

Jede Handlung wiederum wirkt auf unsere Umwelt ein und verändert sie. Sie tritt uns dann wieder entgegen und fordert uns zur Stellungnahme auf. So gibt sie uns Feedback zu unseren Handlungen.

Das ist alles nicht zu vermeiden. Wir, unsere physische und geistige Struktur, sind unausweichlich mit der Gesamtstruktur unserer Umwelt gekoppelt. Ihre Veränderungen verändern uns, unsere Veränderungen verändern sie. Es ist ein lebenslanger, sehr intimer Tanz. Und wir können ihm nicht entfliehen.

Allerdings kann dieser Tanz jederzeit enden - durch unseren Tod. Sterben bedeutet im Hinblick auf diese Kopplung der Veränderungen, dass wir nicht mehr fähig waren, uns so zu verändern, wie es zu den Veränderungen in der Umwelt passen würde.

Das klingt sicherlich zunächst seltsam, aber das liegt nur an der Abstraktheit meiner Formulierung. Wir sind es gewohnt, den Begriff "Veränderung" konkret zu benutzen. Ich verändere mich, wenn ich aufhöre zu rauchen oder graue Haare bekomme. Aber Veränderung ist immer und überall. Nicht auf auf solch makroskopischer Ebene. Sie ist genauso in jedem Organ, in jeder Zelle. Ständig.

Das macht auch das Wunder unseres Lebens aus. Dass wir uns der Myriade großer und kleiner Veränderungen der Umwelt (und auch in uns selbst) doch immerhin 60, 80 oder gar 100 Jahre lang so "anschmiegen" können, dass wir so "elastisch" sind, dass sie uns nicht aus der Bahn werfen. Ganz ohne einen Homunkulus in unserem Kopf, ganz ohne eine zentrale, alles lenkende und beaufsichtigende Instanz.

Leben ist anschmiegsam bleiben, Veränderungen elastisch folgen können, Plastizität. Werden wir hingegen physisch oder geistig starr... dann verlieren wir die Fähigkeit zur Anpassung.

Alte Knochen sind brüchiger, alte Gelenke steifer, alte Gehirne "verkalkt". Alter, d.h. größere Nähe zum Tod, ist im Grunde immer schon ganz bildlich mit Verlust an Geschmeidigkeit einhergegangen.

Umgekehrt stehen Gelenkigkeit, "Spannkraft", weiche Haut für Jugend, mithin für größere Anpassungsfähigkeit. Anpassungsfähigkeit aber bedeutet nichts anderes als Lernfähigkeit. Veränderte Strukturen sind nichts anderes als "Erinnerungen" an Veränderungseinflüsse. Ein Fuß hinterlässt im Sand eine Spur; die Struktur des Sandes hat sich verändert durch einen "Eindruck". Auch wenn der Fuß schon lange weitergegangen ist, sehen wir noch die "Erinnerung" an ihn.

Ebensolche Eindrücke sind die heiße Herdplatte, auf die wir fassen, der erste Kuss, die erste Enttäuschung, der Erfolg in der Schule, der Misserfolg in einem Projekt. Sie alle hinterlassen Spuren in uns. Das sind allerdings nicht nur Erinnerungen, sondern physiche und/oder geistige Strukturveränderungen, die unsere Reaktionen auf zukünftige Eindrücke vordisponieren. Bei der nächsten heißen Herdplatte verhalte ich mich (hoffentlich) vorsichtiger, bei der nächsten Mathearbeit bin ich zuversichtlicher, beim nächsten Menschen bin ich nicht so offen.

Eine philosophische Haltung soll nun dabei helfen, die auf uns einstürzenden Eindrücke bestmöglich zu verarbeiten. Sie will uns helfen, möglichst viel aus ihnen zu lernen und dabei elastisch zu bleiben. PQ will der geistigen Verknöcherung entgegenwirken, um uns immer offen für das Lernen zu halten.

Lernen ist Leben.

Und eine Autofahrt durch einen Wald ist auch Lernen. Insbesondere, wenn man womöglich mit verbundenen Augen fährt. Probieren Sie das aber am besten nicht aus. Allenfalls lassen Sie sich mal durch einen Wald mit verbundenen Augen führen. Das ist ein schönes Erlebnis.

Mit dem Auto im Wald mit verbundenen Augen soll nur eine Analogie sein. Eine Analogie für das Leben. Denn im Leben können wir im Grunde nicht (weit) sehen. Die Zukunft liegt für uns im Dunkeln. Genauso liegt aber auch alles um uns herum im Dunkeln. Damit meine ich, dass wir vieles, wenn nicht alles gar nicht wirklich erkennen können. Wir können den anderen Menschen nicht wirklich, wirklich sehen, sondern immer nur ein mehr oder weniger reduziertes Bild von ihm. Dasselbe gilt auch für Unternehmen, Tiere, das Weltgeschehen usw. usf. Es gilt sogar ganz grundsätzlich und auf der fundamentalen Wahrnehmungsebene. Wir können die Wirklichkeit nicht erkennen.

Trotzdem müssen wir uns in ihr bewegen und bewähren. Wie kann das gehen? Indem wir das, was uns unsere Sinne wie auch immer über die Wirklichkeit vermitteln innerlich zu einem Bild (Modell) von der Wirklichkeit verarbeiten und aufgrund dieses Bildes Entscheidungen treffen, wie wir uns verändern, wie wir handeln.

Wir sind dazu verdammt, die Passgenauigkeit unseres Bildes von der Welt unermüdlich an ihr zu prüfen. Ein Eindruck stürmt auf uns ein, wir urteilen aufgrund unseres bisherigen Bildes von der Welt, wir entscheiden uns, handeln nach der Entscheidungen... und schauen dann mal, was passiert. Erst wenn wir Feedback zu unserer Handlung aus der Welt bekommen, können wir etwas über die Passgenauigkeit unseres Bildes von ihr sagen.

Auf die Analogie mit dem Auto übertragen bedeutet das: Immer wenn wir an einem Baum entlangschrubben, haben wir sehr wertvolles Feedback bekommen. Dann wissen wir nämlich, wo ein Baum steht. Nur so erfahren wir etwas über den Wald, durch den wir fahren.

Auf der anderen Seite des Waldes angekommen können Sie den Wald nur insofern beschreiben, wie Sie gegen Bäume gestoßen sind. Sie können nichts über den Wald insgesamt aussagen. Sie wissen nur dort etwas über seine Beschaffenheit, wo Sie... gescheitert sind.

Scheitern gehört also zum Leben. Scheitern ist sehr, sehr wertvolles Feedback. Fehler geben uns unschätzbare Hinweise darauf, wo wir unser Bild von der Welt anpassen sollten, denn es hat uns ja "gegen den Fehler laufen lassen".

Das bedeutet nicht, dass wir Fehler provozieren sollen. Natürlich ist eine Autofahrt ohne Zusammenstoß mit einem Baum das Ziel. Wenn unsere Augen im Leben aber ganz prinzipiell gegenüber unserer Umwelt verbunden sind, dann können wir Fehler nicht vermeiden.

Das ist eine der Kernthesen der Philosophischen Haltung. PQ macht offen für Fehler und bemüht sich um Erhaltung der Geschmeidigkeit, um aus ihnen lernen zu können. Veränderungen gehören zum Leben; geistige Zustände, die Veränderungen im Wege stehen, sind daher lebensfeindlich.

Veränderungen zu umarmen, statt sie zu fürchten, das ist PQ. Die Unausweichlichkeit von Fehlentscheidungen zu akzeptieren und sie in etwas Positives zu verwandeln, das ist PQ.

-Ralf

Dienstag, 6. März 2007

PQ ist wie Autofahren

Den Gedanken des Zurücktretens fand ich sehr eindrücklich, Ralf und ich glaube, die Ent-deckung der eigenen Maßstäbe baut fast ein bisschen darauf auf - denn nur aus dem Blickwinkel, der entsteht, wenn ich drei Schritte hinter das Gewohnte und Selbstverständliche zurück mache, ist der, aus dem ich etwas über mich erkennen kann. Salman Rushdie hat das doch mal so schön gesagt, dass man eben nur das ganze Bild sehen kann, wenn man aus dem Rahmen fällt - und das ist doch eben das Spannende: im wahrsten Sinne dieses Wortes fällt man aus dem Rahmen, wenn man diese Perspektive einnimmt. Diese Haltung - die beschreibt, worum es auch PQ geht - ist etwas besonderes, man findet sie nicht so oft, und wenn, dann ist gibt es sehr seltsame Reaktionen darauf: von "das tut man nicht" bis "genial" ist alles dabei und aus diesen Reaktionen lässt sich meist mehr über ihre Vertreter sagen, als über die Inhalte, die zu diesen Reaktionen führen. Warum ist eine philosophische Haltung so ungewöhnlich oder ist sie nur ungewohnt im Sinne von unbequem? Ich bin überzeugt - ebenso wie Du Ralf - dass es in der geübten Umsetzung von PQ um die Freude geht, eine Freude, die sich daran entzündet, dass das Leben ist, wie es ist und in diesem Leben völlig andere Dinge zum Anlass ihrer Freude nimmt als das, was wir auf der Suche nach "Spass" (oft leider der hohle kleine Bruder der Freude) meinen, in unserem Leben unterbringen zu müssen. Das, was die Akzeptanz der Welt oder des Lebens ausmacht, ist nicht das passive Zurücktreten in die Innerlichkeit, sondern das Vertrauen und der Respekt für das, was ich in diesem Leben vorfinde. Ich bin in der Lage, mit all dem zu arbeiten, es zu gestalten, mich zu entwickeln und Veränderung auf den Weg zu bringen, das hat aber immer etwas damit zu tun, dass die Welt weiterhin das Material dafür stiftet und damit Anerkennung verdient. Tatsächliche Freude hat immer etwas mit "Berührung" tun, und wenn wir in dem erwähnten Zurücktreten nicht nur Innehalten, sondern uns von der Welt entfernen, dann verlieren wir die Möglichkeiten, diese Freude zu erleben. Es geht also um eine Bewegung, die zwischen dem Innen und Außen pendelt und beides stetig ins Verhältnis setzt. Diese Fähigkeit ist uns im Kern mitgegeben, meine Kinder beherrschen sie oft wie selbstverständlich, aber in Anbetracht dessen, was wir im Laufe der Zeit in unserem Leben an Aufgaben versammeln ist sie eine beständig "zu übende" - ein bisschen wie das Lenken eines Autos durch den Wald, auch wenn es manchmal aussieht, als täten wir nicht mehr als das Steuer in beiden Händen zu halten, wir müssen doch sehr aufmerksam dafür sorgen, dass der Wagen in dem Tempo auf der Strasse bleibt, auf der wir ihn haben wollen...

Ina

Samstag, 3. März 2007

Maßstäbe hinterfragen

Der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung hat seinen Preis: Er kostet die Mühe, die Unterschiede in der Welt, die uns ständig entgegentreten, zu bewerten, d.h. zu uns in Bezug zu setzen. Wir müssen ihnen eine Bedeutung geben, denn sie haben von Natur aus keine eigene.

Was bedeutet es für mich, wenn es regnet? Ist es eine Last, weil ich einen Regenschirm halten muss, obwohl ich doch schon mit Einkaufstüten behangen bin? Oder ist es eine Lust, weil ich mit meiner Liebsten romantisch unter einem Regenschirm sitzend auf die Alster schaue?

Was bedeuten die Geräusche der Kinder aus der Nachbarwohnung für mich? Stören sie meine wohlverdiente Ruhe nach einem arbeitsreichen Tag? Oder sind sie für mich beruhigende Hinweise, dass es um Deutschlands Zukunft doch noch nicht so schlimm bestellt ist?

Regen:Trockenheit, Geräusch:Stille - das sind nur Unterschiede in der Feuchtigkeit und Luftbewegung unserer Umwelt. Mehr nicht. Erst durch die Wahrnehmung eines bestimmten Feuchtigkeitsgrades oder eines Schalldrucks, erst durch uns als Beobachter bekommen sie einen Wert in dem wir sie be-wert-en.

Das geschieht meist automatisch und unbewusst... aber das kann eben auch bewusst passieren. Und es sollte und muss immer dann bewusst passieren, wenn wir frei und offen sein wollen. Denn wenn wir unbewusst und automatisch bewerten statt bewusst und mit Bedacht, dann stellt sich immer die Frage, ob wir selbst es sind, die da bewerten, d.h. ob wir uns den Bewertungsmaßstab gegeben haben - oder ob wir einen fremden Bewertungsmaßstab übernommen haben und insofern nur Vor-Urteile "wiederkäuen".

Wenn wir beginnen, die Welt als Kinder und Jugendliche zu erkunden, dann tun wir sicherlich gut daran, Bewertungsmaßstäbe unserer Umwelt zunächst zu übernehmen. Wir profitieren damit von der darin kondensierten Erfahrung unserer Mitmenschen und Vorfahren. Sie können uns manch unschöne Erfahrung ersparen. Sie automatisieren Bewertungen und halten uns damit den Rücken frei für Wichtigeres.

Unbewusstheit und Automatismen sind also selbstverständlich wichtig im Leben. Auch wenn wir verdammt sind zum Urteilen, um uns selbst zu bestimmen, kann doch das "verdammte Urteilen" auch einmal aufhören, oder? Eine Welt, in der wir immer und alles nur bewusst beurteilen wollten, um ja keine Lücke zu lassen, durch die Unfreiheit hereinschlüpfen könnte, wäre ja nicht zum Aushalten. Weder für uns, noch für andere. Und sie wäre auch nicht praktikabel, denn alle Entscheidungen würden durch den Zwang zur Bewusstheit viel langsamer ablaufen.

Bei aller Liebe zum Bewusstsein und zu PQ tun wir also auf der anderen Seite auf gut daran, das bewusste Bewerten nicht zu übertreiben. Hier wie auch sonst im Leben kommt es auf das rechte Maß an.

Allerdings: Der Automatisierung von Bewertungen sollten wir uns schon bewusst sein. Nicht unbedingt im Moment der Bewertung, denn da ist die Unbewusstheit ja sowohl in Bezug auf die Bewertung wie auch die Beobachtung der Bewertung, sozusagen die Meta-Bewertung, beabsichtigt.

In Zeiten der Ruhe tun wir dann allerdings gut daran, unsere automatischen Bewertungen zu reflektieren. Dann sollten wir über sie nach-denken.

Wenn wir durch eine Fußgängerzone gehe und sich uns bettelnde Hände entgegenstrecken, entscheiden wir meist ganz automatisch, etwas hineinzulegen oder auch nicht. Und das ist völlig ok. Denn während des Einkaufsbummels bei jedem Bettler immer wieder bewusst bewerten zu müssen, das soll nicht Ziel einer Philosophischen Haltung sein. Dann würde aus der Freiheit zur Bewertung wirklich schnell die Last eines verdammten Urteilens werden, das wir vermeiden wollen würden.

Während wir dann allerdings Pause machen beim Einkaufen oder später zuhause oder vielleicht erst im Urlaub... da sollten wir fähig sein, unsere unbewussten Entscheidung zu reflektieren. Der Verkäufer einer Obdachlosenzeitung oder ein Kleiderspendenaufruf im Postkasten mögen uns an den bettlergesäumten Einkaufsbummel und unsere unbewussten Urteile erinnern. Und dann (!) sollten wir willens und in der Lage sein, unseren Wertmaßstäbe hinter unseren Urteilen bewusst zu betrachten, zu überdenken, ggf. zu revidieren und schließlich als unsere eigenen anzunehmen.

PQ kann man insofern vielleicht als geistiges Wiederkäuen ansehen: Wenn ein Reh beim Äsen aufgeschreckt wird, dann stellt es das genüssliche Kauen ein und flüchtet automatisch. Erst wenn es wieder Ruhe gefunden hat, beginnt es wieder mit dem Kauen dessen, was es schon vor der Flucht zu sich genommen hatte. Während der Flucht war keine Zeit dafür.

Ähnlich ist es mit der Bewusstheit unserer Beurteilungen. Sie braucht eine gewisse Ruhe, um ihren Gegenstand von allen Seiten zu betrachten und schließlich nach Abwägung des Einflusses aller Maßstäbe dem Beobachteten einen Wert zuzuweisen. In der Hektik des Alltags ist dafür aber nicht immer Zeit, so dass viele Urteile zunächst (!) automatisch gefällt werden müssen.

Vielleicht sollte ich PQ deshalb so präzisieren: Nur bewusste Entscheidungen können frei sein und der Selbstbestimmung dienen. Diese bewussten Entscheidungen müssen jedoch nicht notwendig im Moment einer Beobachtung getroffen werden - Regen fällt, Kindergeräusche auf dem Nebenzimmer -, sondern können vorher in Ruhe in grundsätzlicherer Weise vorbereitet werden. Wichtiger als die bewusste Entscheidung in Bezug auf eine Beobachtung ist also die bewusste Entscheidung für einen Maßstab, der dann im Moment der Beobachtung durchaus automatisch angewandt werden kann.

Wie weit dann Maßstabsentscheidung und Beobachtungsentscheidung auseinanderliegen, das kann sehr verschieden sein. Vielleicht Tage, Wochen, Jahre, vielleicht aber auch nur Sekunden oder Minuten.

Entscheidend ist die grundsätzliche Offenheit dafür, Maßstäbe überhaupt bewusst zu überdenken und anzupassen. Dieses Überdenken wird dann allermeistens ein Nach-Denken sein, denn es ist immer zuerst ein Maßstab vor einer (automatischen) Entscheidung da. Den können wir uns früher bewusst gegeben haben - oder er ist aus tieferliegenden, unbewussten Automatismen entstanden oder wir haben ihn unbewusst übernommen.

Bei PQ geht es also eher um ein Vor-Denken und Nach-Denken, als nur ums Denken. Eine Philsophische Haltung distanziert sich vom stetig wechselnden Moment und betrachtet das Leben im Überblick, der von gestern bis morgen reicht, als Ganzes.

Donnerstag, 1. März 2007

Verdammt zu urteilen

Wir stehen alle täglich und immer in einem Sperrfeuer, einem Sperrfeuer von Unterschieden. Denn nur Unterschiede können wir wahrnehmen. Das beginnt auf der physikalischen Ebene mit elektromagnetischen Schwingungen oder Schallwellen; ohne den Unterschied zwischen hoher und niedriger Amplitude keine Schwingungen. Das setzt sich auf biologischer Ebene bei der Wahrnehmung fort, die einzig über Nerven funktioniert, deren Botschaften frequenzmoduliert sind, d.h. Unterschiede im Abstand ihrer Amplituden aufweisen. Und das mündet in die unendliche Vielfalt von darauf aufbauenden Eindrücken und Gedanken, die jeweils nie ohne ihr Gegenteil möglich sind.

Ob die Unterschiede dabei eher in einem Kontinuum existieren wie der Schalldruck, oder ob sie diskrekt sind wie Schwangerschaft (ein bisschen Schwanger gibt es ja bekanntlich nicht), das ist dabei nicht so wichtig. Wesentlich ist, dass die Welt ausschließlich aus Unterschieden besteht, die, ja, die wir bewerten müssen.

Wie frei wir uns fühlen (auch ein Unterschied: frei:unfrei!), ist für diese Erkenntnis ebenfalls zunächst nicht wichtig. Die Unterschiede existieren, ja, sie machen geradezu die Existenz aus, ob wir sie bewusst betrachten oder nicht. Mehr oder weniger Korsett ändern nichts an der Menge der Unterschiede, mit denen wir kontinuierlich konfrontiert sind.

Mehr oder weniger Korsett, Stütze, Rahmen haben allerdings Einfluss auf unseren Umgang mit den Unterschieden. Regeln, Glauben, Korsett sind nämlich ausnahmslos Mittel zur Bewertung von Unterschieden. Ob ein bestimmter Schalldruck laut oder leise ist, ergibt sich nicht nur durch An- oder Abwesenheit eines Ohrenschmerzes, sondern z.B. auch durch das Gesetze. Schwanger oder nicht ist zwar keine Frage des Glaubens, aber welche Seite dieses Unterschieds als gut oder schlecht anzusehen ist durchaus.

Richtig:falsch und gut:schlecht sind die klassischen Schubladen, in die wir Unterschiede ständig und regelbasiert einordnen. Diese Schubladen sind menschengemacht, denn sie weisen einem Zustand einen Wert zu, den er naturgemäß nicht haben kann. Die Natur kennt keine Werte, sondern nur Zustände als Ergebnisse von Veränderungen entlang von Kausalketten. In der Natur bzw. ohne einen urteilenden Beobachter ist alles nur so, wie es ist.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch Tiere Unterschiede zu sich in Bezug setzen und sie als wünschenswert oder zu vermeiden, mithin als gut oder schlecht beurteilen. Diese Beurteilung ist jedoch gar nicht oder nicht in dem Maße wie beim Menschen bewusst.

Sobald jedoch Bewusstheit bei der Beurteilung in Spiel kommt, ändert sie sich qualitativ. Plötzlich ist das Ergebnis nämlich nicht mehr unausweichlich und quasi berechnenbar. Bewusstes beurteilen ist vielmehr per definitonem ein ergebnisoffenes Beurteilen. Zumindest eigentlich. Denn der Vorbehalt immer wieder neu und anders zu entscheiden macht ja gerade das Bewusstsein aus. Bewusstsein ist sozusagen das Gegenteil von Automatismus - wie jeder bezeugen kann, der schon einmal versucht hat, bewusst versucht hat, einen Sturz zu verhindern.

Die interessanten Urteile über Unterschiede sind die, die auf der Ebene des Bewusstseins gefällt werden oder zumindest gefällt werden könnten. Alle anderen liegen ja außerhalb zumindest der spontanen Kontrolle und laufen automatisch ab.

Sicherlich sind die bewusst zu fällenden Urteile auch nur ein winziger Ausschnitt aus der Gesamtmenge aller Urteile in jedem Moment. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb machen sie uns Kummer. Denn bei bewussten Urteilen sind ja wir gefragt und nicht eine automatische Instanz in uns. Und wenn wir gefragt sind, d.h. unser Bewusstsein, dann ist der Ausgang der Beurteilung zunächst einmal prinzipiell offen. Wir können uns bewusst immer so oder so oder auch ganz anders entscheiden. Zumindest glauben wir das, wenn wir eine grundsätzliche Freiheit des Willens postulieren, die auch ich hier einmal voraussetzen will.

Die Ergebnisoffenheit unserer bewussten Urteile ist uns nun aber durchaus nicht (immer) recht. Zum einen kostet das Abwägen der zu beurteilenden Optionen Zeit und Mühe. Gerade in einer immer schneller sich drehenden Welt scheint das kontraproduktiv. Zum anderen kann sich ein Urteil, eine Wahl später als suboptimal im Hinblick auf den angestrebten Zweck herausstellen. Wir entscheiden uns für eine Waschmaschine - um am nächsten Tag in einer Werbebeilage von einem Sonderangebot mit 20% Rabatt für dasselbe Modell zu lesen. Oder wir entscheiden uns für das Überqueren einer roten Ampel - und haben einen Polizisten auf der anderen Straßenseite übersehen, der uns sogleich zur Rede stellt.

Bewusste Entscheidungen bergen also per se und immer die Gefahr von "Wie man´s macht, man macht´s verkehrt."

Deshalb, so scheint mir, hat es eine Koevolution von Bewusstsein und Bewusstseinskorsetts gegeben. Oder anders: Bewusstsein konnte nicht einfach so entstehen, sondern musste sich langsam aus biologischen Automatismen herausschälen. Die hat es dann allerdings nicht gleich abgestreift, sondern in Form geistiger Korsetts mit sich getragen. An die Möglichkeit zu falschen Urteilen muss sich das Bewusstsein sozusagen erst gewöhnen.

Das macht nichts. Es ist vielmehr ganz natürlich. Aber diese Korsetts stehen dennoch im Gegensatz zum angestrebten Bewusstsein zwecks Genuss von Freiheit durch Selbstbestimmung. Denn Selbst-Bestimmung erfordert ja Bewusstsein als Kern.

Das bedeutet: Wer frei sein möchte, wer sich selbst bestimmen möchte, der muss auch Bewusstheit wollen und ist damit auch das eigene, quasi manuelle Urteilen. Ein freudvolles Leben in Selbstbestimmung gibt es also nicht ohne bewusste Bewertung der uns unter Sperrfeuer legenden Unterschiede.

Und damit bin ich wieder bei PQ: Eine Philosophische Haltung will helfen, mit diesem Sperrfeuer fertig zu werden, ohne in (überkommene) Korsetts zu schlüpfen. Bei PQ geht es daher um Urteile, d.h. Entscheidungen, und Werte, d.h. Maßstäbe. Und damit geht es dann natürlich auch um (Selbst)Verantwortung und die ständige Möglichkeit von Fehlurteilen, d.h. von Scheitern.

Unter Beschuss

Abgesehen von Schulbankdrücken, Erwerbsarbeit und Behördengängen, so könnte man sagen, geht es doch irgendwie meistens um das "gute Leben", oder? Leben wir nicht in einer Freizeit-Gesellschaft und ist nicht Freizeit = Freude-Zeit? Dreht sich insofern nicht alles um Freude-Zeit-, also Freude-Maximierung?

Ja, irgendwie hat Freizeit natürlich auch mit Freude zu tun. Aber die Gelegenheiten zur Freude auf die Freizeit zu beschränken, fände ich schade. Warum soll ich nicht auch in der Schule mit Freude dabei sein können, Brotarbeit mit Freude verrichten oder einem geplagten Beamten mit Freude begegnen?

Immer und überall ist Gelegenheit zur Freude - wenn wir denn offen sind für sie. Mit Robustheit verteidigen wir die mühsam eroberten Inseln der Freude in Heim und Freizeit. Ohne Offenheit vergeben wir uns aber die Chance, weitere solcher Inseln zu entdecken. Freude ist ja bis auf per definitionem ihr widersprechende Situationen wie solche von Verlust und berechtigter Angst immer möglich. Allerdings empfinden wir das wohl nicht so.

Mir scheint, die meisten Menschen fühlen sich die meiste Zeit "unter Beschuss". Die in ihnen sprudelnde Lebenskraft, ihr "Wille zur Freude" muss sich ständig Deckung suchen vor Anfeindungen. Die können von unmerklich über banal bis zu spürbar und offensichtlich oder gravierend reichen.

Unmerklich mag der kleine Ärgern über jemanden sein, der uns die Tür nicht aufgehalten hat. Aber auch eine Unsicherheit, wie es mit dem Beschäftigungsverhältnis im nächsten Jahr aussehen mag, muss nicht offensichtlich sein, sondern kann latent und quasi unmerklich die Freude im Alltag drücken.

Banal ist es, wenn eine Mahnung uns an einen schon wochenlang niedrigen Kontostand erinnert. Offensichtlich ist der "Beschuss" unserer Freude, wenn wir auf der Autobahn von einem Drängler genötigt werden.

Und als gravierend empfinden wir Einschnitte in unser Leben wie Entlassung oder Unfall, die unsere Planung, unser Sicherheitsgefühl auf eine harte Probe stellen.

Ein "gutes Leben" passiert also nicht einfach so. Er ergibt sich nicht quasi von allein und ganz natürlich, sondern wir müssen im Grunde immer etwas dafür tun. Scheinbar ist Freude nicht möglich, ohne dass wir uns gegen alles Mögliche wehren oder zumindest hart für sie arbeiten.

Aber ist das nicht ganz natürlich? Irgendwie schon. Das Leben ist halt ein Jammertal - oder? So sieht es zumindest aus, wenn man in die Gesichter der Pendler in Bus und Bahn in einer Großstadt wie Hamburg schaut. Freude ist darin nicht zu lesen.

Mir scheint es also zunächst einmal ganz plausibel, dass zwischen Robustheit und Offenheit ein ständiges Ungleichgewicht herrscht. Um den Anfeindungen des Alltags standhalten zu können, ist viel Robustheit gefragt und Offenheit scheint sich wenig auszuzahlen. Es sieht so aus, als könne der Wall um die Freude nur dicker, stärker und geschlossener werden.

War das aber je anders? War auch das früher womöglich besser? Ja und nein.

Ja, ich denke, früher war es schon anders, weil die Welt früher weniger komplex war. Wo nur zwei Waschmaschinen bei nur einem Händler in Reichweite zur Auswahl stehen, da kommt keine Angst davor auf, die falsche Wahl zu treffen, weil man ungenügend die Optionen- und Preisvielfalt recherchiert hat. Eine Welt, in der Menschenfresser ferne Fabelwesen sind, von denen nur wenige Weitgereiste berichten, erzeugt nur heimeligen Grusel angesichts solch ferner Gräueltaten; aber eine Welt, in der Selbstmordattentäter oder sonstige politische Gewalttäter potenziell jeden mit Auslöschung oder Verstümmelung bedrohen, der auch nur an eine Fernreise denkt - und das sind jährlich Millionen -, die beeinträchtigt das Empfinden von Freude natürlich.

Auf der anderen Seite, nein, früher war es natürlich auch nicht anders. Die Welt war weniger komplex, aber dennoch boten sich auch in der kleineren, simpleren heimischen Welt genügend Gelegenheiten, "Beschuss" der Freude zu empfinden. Heute ist es ein großes Leid für viele Frauen, kein Kind bekommen zu können - früher war es ein großes Leid, ein Kind nicht vermeiden zu können. Heute erzeugt drohende oder reale Arbeitslosigkeit Unsicherheit und Existenzängste - früher war Arbeitslosigkeit oft gleichbedeutend mit Nahrungslosigkeit und daher Tod.

Gestern wie heute stand und steht die Freude also "unter Beschuss". Ob dieser Beschuss heute stärker ist... Das sei dahingestellt. Mein Gefühl ist jedoch, dass viele Menschen ihn heute stärker spüren. Der Grund: ihr Wille zur Freiheit und Selbstbestimmung.

Ja, ich glaube, so einfach ist das.

Wer frei und selbstbestimmt leben will - und das wollen die allermeisten in der westlichen Welt, würde ich mal annehmen -, der kommt nämlich nicht umhin, sich selbst um das Ausbalancieren von Robustheit und Offenheit zu kümmern. Und wer sich selbst um etwas kümmern muss, der bemerkt natürlich auch das, was ihn daran hindert, was ihm dabei Mühe macht, umso leichter.

Wer A sagt, muss auch B sagen. So ist das mit Freiheit und Selbstbestimmung. Wer sie genießen will - wer also meint, sie seien überhaupt zu genießen -, der macht sich los von allen Behinderungen und letztlich auch von allen Stützen.

Zu sehen ist das bei jedem Kind: Am Anfang lebt ein Kind voll Freude in einer behüteten Welt. Seine Freiheit und Selbstbestimmung bewegen sich in einem sehr engen Rahmen. Dann aber entwickelt das Kind mehr eigenen Willen. Es strebt über den Rahmen hinaus. Zum Beispiel möchte es mehr Spielzeug oder Kleidung, als die Eltern ihm kaufen. Also erweitern die Eltern den Rahmen und geben dem Kind ein Taschengeld, um es selbstbestimmter entscheiden zu lassen. Dieser Prozess setzt sich dann fort bis zum eigenen Geldverdienst, der maximale Selbstbestimmung (im Rahmen des Budgets) gestattet - aber auch keine Stützen mehr bietet. Am Ende ist jeder dem Kindesalter und dem Taschengeld entwachsener Menschen allein für seinen Kontostand verantwortlich. Eltern können, wollen und sollten nicht bis Sankt Nimmerlein als Stützen dienen.

Und so ist es letztlich in allen Bereichen des Lebens. Wer weniger gegängelt werden will, wer selbst entscheiden möchte, wer Freiheit von Beschränkungen und zu allem Möglichen sucht... der muss mit der Konsequenz der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung leben.

Freiheit bedeutet den Verzicht auf Stützen, Rahmen, Vorgaben. Oder genauer: den Verzicht auf einfach übernommene Rahmen, auf unhinterfragte Regeln, auf unreflektierte Traditionen, auf unbedachten Glauben.

Und damit bin ich wieder bei PQ. Denn PQ hilft, die Lücke zu füllen, die durch das Loslassen von Regeln, Rahmen, Traditionen, Glauben entstehen. Ich meine, wer wirklich frei sein möchte und also zur Selbstbestimmung "verurteilt" ist, der tut gut daran, eine Philosophische Haltung zu entwickeln. Denn sie bietet einen Weg vom Hinterfragen zur Freude im Balancieren zu kommen.

Dienstag, 27. Februar 2007

Zurücktreten, bitte!

Das finde ich schön gesagt von dir, Ina: "PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen [...]." Genau deshalb lohnt nämlich die Erweiterung der Q-Liste! IQ ist die Intelligenz, bei der ist die "reine" Rationalität sehe. Nicht umsonst scheint der IQ ein Kind der Zeit von Behaviourismus und Rationalisierungswahn.

Die IQ-Intelligenz ist berechnend; bei ihr geht es um Leistung. Aber das Leben kann eben nicht durch Berechnung bewältigt werden. Und Freude ist schon gar nicht ein Thema der Berechnung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass irgendwann dieser kalten Berechnungsmanie die EQ-Intelligenz entgegengesetzt wurde. Damit kam wieder Wärme in den Umgang mit dem Leben. Der Mensch rückte wieder ins Bild. Es ging nicht länger nur um Leistung, also um den Menschen als (letztlich austauschbaren) Produktionsfaktor, sondern um das Innen (Emotionen, Selbstbewusstsein) und das Zwischen (soziale Kompetenz, Emphatie).

IQ wie EQ - so wichtig sie sind - scheinen mir nun aber beide (quasi notwendig) beschränkt oder, hm, selbstverliebt. Und das möchte PQ ausgleichen. PQ blickt über das konkret mit IQ zu lösende Problem hinaus. PQ versetzt den Menschen und das Zwischenmenschliche in einen Kontext. PQ ist die Intelligenz, die den "Blick über eben das hinaus" richtet, worum sich IQ und EQ drehen. PQ hebt den Blick von einer konkreten Situation wie von einer Näharbeit im Schoß und schaut ins Weite, ins Allgemeine, auf den Kontext, die Implikationen, letztlich auf das Ungewisse und (vielleicht noch) Unverständliche wie aus einem Fenster.

PQ tritt immer wieder zurück und befreit den Menschen aus den Fesseln von Sachzwängen und Dringlichkeit. So schön es klingt, wenn heute allerorten dazu geraten wird, doch mehr "im Hier und Jetzt" zu sein, so glaube ich doch, dass solcher Rat allzu pauschal ist. Das spezifisch Menschliche drückt sich nicht im IQ aus. Das spezifisch Menschliche ist auch nicht in der EQ zu finden. Spezifisch menschlich ist hingegen die Fähigkeit, sich eben nicht einfach von der Notwendigkeit einer rationalen Problemlösung oder einem Gefühl (an)treiben zu lassen, sondern... innezuhalten, zurückzutreten, nach zu denken.

Was sich dann daraus ergibt, wenn man zurücktritt, aufschaut vom Konkreten und den Blick weitet, das (!) ist das Thema von PQ. Damit umgehen zu können, ist das Ziel einer Philosophischen Haltung. Denn was dann plötzlich ins Gesichtsfeld tritt, ist nicht immer angenehm. Es rüttelt an der bisher gewonnenen Robustheit und verleitet zur Einschränkung der Offenheit.

-Ralf

Montag, 26. Februar 2007

Denken ist ein Glücksfall...

Das Denken ist gewissermassen die Anwendung von PQ - PQ ist eine Form der Intelligenz, die sich nicht darauf beschränkt, rationale Argumente gegeneinander abzuwägen und sich darin zu erschöpfen das anzuerkennen, was man als Kriterien zugelassen hat (ähnlich dem Spiel des Verstandes mit sich selbst, wie es Hannah Arendt sehr schön beschrieben hat), sondern das Philosophische daran ist der Blick über eben das hinaus und die "Freundschaft" mit dem möglicherweise Unverständlichen, was sich dahinter auftut.

Die Begegnung mit diesem Unverständlichen lässt nun zwei Möglichkeiten zu - zum einen, und das ist das, was Ralf mit der Freude und dem Streben nach Balance beschrieben hat, als die Begegnung mit etwas Neuem, das uns bereichert, das uns aufzeigt, was es sonst noch alles gibt und damit eher ein Fenster öffnet als eine Perspektive (nämlich unsere bisherige) zerstört.

Die andere ist die weitaus geläufiger, nämlich die Deutung, dass das Andere hinter der Grenze nun das Eigene bedroht, es vielleicht Lügen straft oder zumindest dazu aufruft, die Unvollkommenheit der eigenen Perspektive zuzugeben. Diese Beschreibung findet sich in dem eigentlich sehr schönen Band: Warum Denken traurig macht von George Steiner wieder und so sehr es auch nachvollziehbar ist, wie sehr unser menschlicher Geist an der eigenen Beschränktheit leidet, so sehr ist dieser Frust zu umgehen, wenn man das "Ziel" der geistigen Anstrengungen ändert. Wenn es nicht mehr darum geht, eine letzte Begründung zu finden, ein perfektes Lied zu schreiben oder immer genau das richtige zu tun, dann können wir dieses unerreichbar Wahre auch nicht permanent verfehlen: dann ist eben tatsächlich nur das, was ist und wenn wir dann in der Lage sind, dazu eine differenzierte Haltung einzunehmen - und nichts anderes bedeutet PQ - , herauszufinden, in welchem Verhältnis ich zu diesem "ist" stehe, dann ist das Denken alles andere als traurig, dann ist es die Quelle für tatsächliches Glück.

Ina

Sonntag, 25. Februar 2007

Balance halten mit PQ - Ich bereue nichts

PQ soll helfen, ein "gutes Leben" zu führen, d.h. ein Leben in Freude, die sich nicht leicht trüben lässt ohne sich zu verschanzen.

Es gilt also, eine Balance zu halten zwischen...

  • Robustheit, Stabilität, Bewahren, Gegenwärtigem, Gleichem, Effizienz, Sicherheit
  • Offenheit, Flexibilität, Plastizität, Zukünftigem, Neuem, Anderem, Hoffnung
Sie ist unserer Meinung nach die Bedingung für die Möglichkeit eines "guten Lebens". Freude ohne eine Stabilität und Sicherheit nur ein flüchtiger Lichtblick in einer ansonsten angstmachenden Welt; Freude ohne Offenheit und Flexibilität hingegen verknöchert und führt zur Rückwärtsgewandtheit.

Freude kann also nur dort nachhaltig gedeihen, wo eine Balance herrscht zwischen nach innen und nach außen gewandten "Kräften", zwischen Bewahren und Veränderung.

Wie nun lässt sich diese Balance herstellen und erhalten? Ergibt sie sich nicht einfach so in jedem Menschen? Nein, leider nicht. Meistens sind Robustheit und Offenheit im deutlichen Ungleichgewicht. Zwar ist Balance nicht statisch, sondern ein ständiger Prozess, so dass auch während des Balancierens quasi ständig ein Ungleichgewicht herrscht, ja herrschen muss. Aber die Ungleichgewichte des erfolgreichen Balancierens sind minimal, wechseln ständig und bewegen sich idealerweise sehr eng um den infinitesimal kleinen Ruhepunkt der Balance herum.

Aber nicht nur stehen Robustheit und Offenheit meist in einem unausgewogenen Verhältnis zueinander und machen somit echte Freude zu einem immer wieder unkontrollierbar flüchtigen Erlebnis. Sie können, so meinen wir, kaum nachhaltig in Balance kommen, weil es an einem Bewusstsein darüber fehlt, dass eben diese Balance nötig ist.

Balancieren ist eine bewusste Handlung. Es balanciert nur, wer sich dazu entschlossen hat. Und es entschließt sich nur dazu, wer den Wert der Balance erkannt hat.

Bewusstheit, Erkenntnis, Entschluss gehören damit zu einem "guten Leben". Und genau darum geht es bei PQ. Eine Philosophische Haltung bemüht sich um Bewusstheit, strebt nach Erkenntnis und erleichtert den Entschluss.

Gerade ist durch die Verfilmung des Lebens der Edith Piaf wieder ihr Chansontitel und Lebensmotto "Non, je ne regrette rien" im Gespräch. Nichts zu bereuen, alles wieder so zu tun, wie man es schon getan hat, wenn man die Gelegenheit erhielte, übt wieder Faszination aus, ja erscheint geradezu erstrebenswert. Und... dieser Gedanke entspricht ganz dem, worum es PQ geht. Denn ohne Reue kann nur sein, wer bewusst lebt und entscheidet.

Bewusstheit ist die Voraussetzung für eigene Entscheidungen. Ohne Bewusstheit entscheidet man nicht selbst, sondern es wird durch unbewusste mentale Instanzen entschieden. Nur mit Bewusstheit wird man zum wahrhaft Agierenden und "Täter", ohne sie zum Reagierenden und "Opfer". Wer aber nur reagiert und "Opfer der Umstände" ist, der hat keine Wahl und keine Verantwortung. Beides ist aber Voraussetzung für Reue. Sie ist sozusagen die Kehrseite der Medaille und die mögliche Konsequenz. Nur wer bewusst entscheidet, kann sich falsch entscheiden und somit die Entscheidung auch bereuen.

Dass Edith Piaf sich als "Opfer der Umstände" gesehen hat, ist kaum anzunehmen. Ihre Versicherung, sie bereue nichts, entsprang mithin einer sehr bewussten Lebensweise. Oder anders: Eine sehr bewusste Lebensweise führt quasi notwendig zu einem Leben, über das man ausruft "Ich bereue nichts!" Denn wer stets bewusst entscheidet, wird sich nie für etwas entscheiden, von dem schon im Moment der Entscheidung gewiss ist, es sei später zu bereuen. Bewusste Entscheidungen können nicht anders ausfallen. Reue setzt die Möglichkeit zur anderen Entscheidung jedoch voraus.

Das Ziel von PQ könnte daher sein, ein Leben nach dem Motto von Edith Piaf zu führen: Ich bereue nichts!

-Ralf

Freitag, 23. Februar 2007

Ein "gutes Leben" als Ziel von PQ

PQ scheint uns eine zu den üblichen *Q wie IQ, EQ etc. eine zumindest interessante Ergänzung. Situationen, in denen eine PQ, eine Philosophische Haltung hilfreich sein kann, scheinen sich ständig zu ergeben. Aber worin liegt der Nutzen einer PQ?

Noch ein Q im Reigen der Vorhandenen ist kein Nutzen, sondern kann allenfalls ein Anlass sein, über die Nützlichkeit nachzudenken. Die Behauptung, es gäbe viele Situationen, in denen PQ nützlich ist, zeigt den Nutzen auch noch nicht unmittelbar, sondern behauptet ihn nur. Um nichts anderes ging es jedoch bisher. Wir wollten nur ersteinmal ein wenig Rahmen für PQ schaffen. Dieses Blog ist ja ein Tagebuch unserer eigenen Annäherung an PQ. Insofern gehen wir nicht geradeaus auf ein klares Ziel zu, sondern eher gewundene Wege in einen Nebel hinein. Und da stoßen wir jetzt auf die Frage: Was soll PQ konkret bringen? Wobei soll PQ helfen?

Unsere Antwort, kurz und knapp: PQ soll helfen, ein "gutes Leben" zu haben.

Hört sich einfach an, hört sich nach einem Gemeinplatz an. Ein "gutes Leben" haben doch alle möglichen "Praktiken" zum Ziel. Auch IQ und EQ und SQ wollen doch mehr oder weniger ausdrücklich helfen, ein "gutes Leben" zu führen, oder?

Klar, insofern reiht sich PQ erstmal nur in eine schon lange Reihe von Angeboten ein. Im Unterschied zu vielen anderen Angeboten können wir für PQ jedoch schon einmal festhalten: PQ ist nicht allein seligmachend. Mit PQ allein kann ein "gutes Leben" nicht erreicht werden. Dazu gehört mehr. Für uns ist PQ also ein Komplementärangebot zu anderen - von dem wir allerdings meinen, dass es eben auch ohne PQ nicht so gut zu erreichen ist, das "gute Leben".

Was macht denn nun aber aus unserer Sicht ein "gutes Leben" überhaupt aus? Wir meinen, es gehören mindestens folgende Aspekte dazu:
  • Freude
  • Robustheit
  • Offenheit
In einem "guten" Leben sollen die positiven, die freudigen Momente überwiegen. Lachen, Anerkennung, Geborgenheit, Sinnfülle, Freiheit, Entfaltung und Sicherheit sind für uns Aspekte der Freude. Eine präzisere Definition von Freude scheint uns nicht wichtig, denn solange wir pathologische Formen der Freude (z.B. Freude an der Verletzung anderer) außen vor lassen, scheint uns ein Konsenz über das, was zur Freude gehört, überkulturell evident. Jeder wird sich kompetent fühlen, eine freudvolle Situation von einer nicht freudvollen unterscheiden zu können.

Freude steht sicherlich im Zentrum eines "guten Lebens". Aber Freude allein ist sehr flüchtig. Zu einem "guten Leben" gehört für uns daher auch eine gewisse Robustheit. Ohne sie lässt sich Freude schnell trüben. Selbstvertrauen und Gelassenheit sind Aspekte solcher Robustheit oder Stabilität, die die freudvolle Persönlichkeit gegen die Widrigkeiten des Lebens schützen.

Freude braucht also Hilfe zu ihrer Bewahrung. Aber positives Bewahren kann umschlagen in negatives Einmauern. Robustheit braucht deshalb eine Gegenkraft. Wir meinen, Offenheit sollte diese Gegenkraft sein. Offenheit macht die Wälle gegen die Widrigkeiten des Lebens durchlässig. Ein "gutes Leben" braucht Wohlwollen, damit das Lächeln nicht gefriert. Wer der Welt nicht offen und wohlwollend entgegentritt, der verschanzt sich hinter seiner Robustheit.

Umgekehrt ist jemand, der Offenheit und Wohlwollen keine Robustheit entgegenstellt wie ein Blatt im Wind. Wer Offenheit über Stabilität stellt, verpasst die Chance auf die Entwicklung einer konturierten Persönlichkeit. Umgekehrt wird zur Betonkopf-Persönlichkeit, wer Stabilität über Offenheit stellt.

Ein "gutes Leben", in dessen Kern die Freude steht, braucht also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Robustheit und Offenheit.


Wir meinen nun, dass PQ helfen kann, nein geradezu notwendig ist, um ein solchermaßen definiertes "gutes Leben" allemal in unserer Zeit und in unserem Kulturraum zu führen.

-Ralf

Dienstag, 20. Februar 2007

Gelegenheiten zur PQ

PQ, d.h. eine Philosophischen Haltung, ist für uns natürlich nicht einfach eine Sache der Fortführung einer Akronymreihe. Motto: "Ergänzen Sie die folgende Liste: EQ, IQ, MQ, __." PQ ist auch nicht als intellektuelle Spielerei zur Überbrückung von Werbepausen gedacht.

PQ ist für uns vielmehr eine Sache des Alltags. Wenn Karl Popper sagt, "Alle Menschen sind Philosophen", dann glauben wir, dass PQ Ausdruck genau dessen ist.

Für PQ ist also kein Studium notwendig, PQ erfordert kein religiöses Glaubensbekenntnis, man muss nicht einmal wissen, wer Karl Popper oder Kant oder Platon waren. Auch wenn in PQ der Begriff "Philosophie" steckt, ist ein speziell philosophisches Wissen - insb. zur Geschichte der Philosophie - nicht nötig.

Die Notwendigkeit einer PQ ergibt sich für uns einfach aus ihrem Nutzen im Hier und Jetzt. Drei Situationen mögen das veranschaulichen:
  • Morgens am Zeitunsgkiosk. Die Bildzeitung fragt in großen Lettern, ob es denn richtig sein könne, dass nun eine RAF-Terroristin frei komme.
  • Nachmittags beim Spaziergang. Eine Frau im Pelzmantel mit Hund führt ein nicht zu überhörendes Streitgespräch mit einem jungen Mann, der sich in "heiligem Zorn" darüber empört, dass sie den Tod unschuldiger Tiere zu ihrem Schmuck in Kauf genommen habe.
  • Abends an der Straße. Ein Kind fragt seine Mutter angesichts einiger Inline-Skater, die auf der Straße nebeneinander rollen, ob das denn erlaubt sei oder ob die nicht vielmehr auf den Fußgängerweg gehörten.
Ganz normale Situationen, ganz unterschiedliche Situationen. Welchen Nutzen soll in ihnen eine PQ haben? Wir meinen, PQ hilft, die in diesen Situationen mehr oder weniger offen gestellten Fragen zu beantworten.

Ob diese Fragen von allgemeinem Interesse sind und die Entscheidung für eine Antwort weitreichende Konsequenzen für eine Gesellschaft hat, oder ob diese Fragen nur kurz aufflackern und von sehr persönlichem Interesse sind, ist dabei unerheblich. Es sind in jedem Fall Fragen, die uns angehen. Sie stellen sich uns sozusagen in den Weg, fordern uns zum - wie immer kurzen - Innehalten auf, zu einer Stellungnahme. Sie sind wie kleine Weggabelungen, an denen wir uns für eine Richtung entscheiden müssen.

Diese Entscheidungen verändern dann zwar meist nicht unseren Weg in der physischen Welt, aber sie haben Einfluss auf unseren geistigen Weg. Jede Antwort, die wir uns geben, ist ein Baustein zu unserer Persönlichkeit und mithin ein Pflasterstein auf unserem (geistigen) Lebensweg.

Antworten wir Ja auf die Frage nach der Freilassung einer Terroristin, Ja zur Frage nach der Tötung von Tieren für Pelzmäntel, Ja zur Frage nach dem Inline-Skaten auf der Straße, dann bewegen wir uns geistig in eine andere Richtung als würden wir drei Mal mit Nein antworten.

Antworten auf diese und Millionen andere Fragen liegen nicht einfach in uns. Sie liegen auch nicht einfach "auf der Straße" oder stehen in Büchern. Wir müssen sie vielmehr immer und immer wieder selbst finden. Wir müssen uns für sie entscheiden. Selbst wenn wir auf eine neue Situation mit einer alten Antwort reagieren, wir die Antwort also scheinbar eben nicht finden mussten, weil sie ja schon in uns war, so müssen wir uns doch noch für diese alte Antwort entscheiden. Auch die Bestätigung oder Wiederverwendung einer Antwort ist eine Handlung und kein Zustand.

Wir meinen nun, dass PQ uns hilft, mit diesen ständig notwendigen Entscheidungen umzugehen. Deshalb steht für uns am Anfang von PQ die Bewusstmachung eben dieser Unausweichlichkeit der ständigen Entscheidung. Wir sind alle ständig gefragt. Die Welt fordert uns in jeder Minute auf, "Beziehe Stellung! Bekenne dich!"

-Ralf

Freitag, 16. Februar 2007

Position beziehen...

Das Intelligente an der Philosophie ist nicht, dass sie sich unendlich viele Gedanken zu machen scheint, sondern dass sie sich Gedanken um das macht, was sie sieht, was sie wahrnimmt und beobachtet. Zugegeben, sie bleibt meist im Bereich der geistigen Auseinandersetzung, aber das war nicht immer so.

Sokrates hat den Kern des philosophischen Handelns auf dem Marktplatz oder im Dialog mit seinen Schülern gepflegt - er hat so lang Fragen gestellt, bis er auf "dem Grund" angekommen war und wenn dieser Grund in der Erkenntnis lag, dass es ebendiesen nicht gibt, dann hat das einen sehr konkreten Nutzen. Es bedeutet, dass sich die Perspektive wandelt, mit der wir die Dinge betrachten. Das pointierte Stellen von Fragen bewirkt oft mehr als das Aneinanderreihen von scheinbaren Lösungsansätzen oder kompromissartigen Schnellschüssen, die schon im Ansatz als brüchig zu erkennen sind.

Wir haben im Umgang mit unserer eigenen Wahrnehmung ein grossartiges Instrument mit auf den Weg bekommen, um mit all den sinnlichen, emotionalen und geisten Impulsen fertig zu werden, die tagtäglich auf uns einströmen. Aber wir müssen uns bewusst sein, das wir dieses Instrument auch auf Empfang stellen müssen - sonst nützt es nichts. Ich meine das Denken, die bewusste Reflektion dessen, "was ist" und dieses "ist" in Bewegung hält.

Es geht nicht um ein statisches Denken, dass sich in Argumenten und rationalen Theorien verfängt, sondern um ein Denken, das sich als Instrument - als tool - anbietet, um in dem oft unverständlichen Chaos(äußerlich wie innerlich) eine Orientierung zu schaffen. Dabei bedeutet Orientierung eine wegweisende Unterstützung und gerade nicht das Finden letzter Erklärungen. Das Denken darf sich nicht über das stellen, worüber es nachdenkt - sonst entzieht es sich selbst die Grundlage, wird hochmütig und leer. Ein Phänomen, was uns in den Wissenschaften dieser Tage nicht selten begegnet...

Das Denken, das sich als ein tatsächlich philosophisches auszeichnet, will sich nicht von den Dingen abwenden, indem es sie in allgemeingültigen Theorien nivelliert, sondern möchte sie in ihrem organischen Mit- und Füreinander kennenlernen - vielleicht auch verstehen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass es mutig genug ist, eine eigene Position einzunehmen: wer fragen stellen will, muss wissen, an wen er sie richtet - wer den Kontakt zu anderen sucht, muss wissen, wo das andere anfängt und er selbst aufhört - wer den Dialog ernst meint, muss selbst etwas zu sagen haben.

In diesem Sinne würde ich heute gern Al Gore zum Helden der philosophischen Intelligenz erklären, der innerhalb weniger Wochen die Mahnungen der UNO zum Klimawandel in ein grossangelegtes Projekt umgesetzt hat: "Live Earth" - ein Konzert, das im Juli in verschiedenen Grossstädten dieser Welt auf die Notwendigkeit zum Handeln aufmerksam machen wird - sicher, dadurch wird das Ozon-Loch nicht schrumpfen. Es ist keine Lösung, aber es ist eine sehr deutliche Art, die Dinge, wie sie sind, in Frage zu stellen und an die Möglichkeiten einer Veränderung zu glauben.

-Ina

Sonntag, 11. Februar 2007

Warum überhaupt PQ?

IQ, EQ, SQ, MQ... haben wir nicht schon genügend Quotienten? Wir sollen "allgemein" intelligent sein, also Probleme des Sprachlichen, der Mathematik oder der Orientierung lösen können (IQ). Es ist wichtig, "intelligent" mit zwischenmenschlichen Situationen umzugehen (EQ). Wir sollen unsere spirituelle Seite nicht vernachlässigen und "intelligent" mit der Sinnfrage des Lebens umgehen (SQ). Und natürlich ist auch Souveränität in Bezug auf moralische Probleme oder Fragen nach Recht und Fairness gefragt.

Galt vor 30 Jahren noch ein hoher IQ als Adelung der Person, so macht es heute - wie im Radio - der Mix. Nicht eine Intelligenz ist wichtig, multiple Intelligenzen sind in jedem Menschen zu erkennen und zu fördern. Mindestens acht sind heute schon identifiziert. Ist also eigentlich nicht schon alles zum Q-Thema gesagt?

Wir meinen, nein. Wir meinen, dass bei all diesen Intelligenzen etwas zu kurz kommt, das früher hoch im Kurs stand: das reflektierende Denken oder auch das Nach-denken.

Zahlenreihen fortsetzen zu können, unpassende Worte in einer Liste erkennen zu können, Empathie zu empfinden, fairen Umgang zu üben und auch über die harte materielle Welt hinaus zu blicken sind wünschenswerte Fähigkeiten. Ohne Frage. Aber war das denn schon alles? Zu welcher Intelligenz ließe sich z.B. die Fähigkeit rechnen, über diese Intelligenzen nachzudenken? Zu welcher Intelligenz gehören die kritische Fragen, die uns nach der IQ-Hype nun auch EQ etc. beschert haben? Welche Intelligenz hilft die Veränderungen der letzten 30 Jahre in der Sichtweise auf Intelligenzen zu bewältigen?

Wir meinen, dass dazu weder IQ, noch EQ, noch SQ ausreichen. Vielmehr scheint es nützlich, eine Intelligenz - oder allgemeiner: eine Haltung und Fähigkeiten - zu kultivieren, die Brücken schlägt zwischen den Intelligenzen. Der Mensch braucht ein Gegengewicht für zuviel IQ oder auch zuviel EQ. Und dieses Gegengewicht sehen wir aus seiner Fähigkeit zur Bewusstheit entspringen. Deshalb beschreibt PQ für uns auch zunächst eine Haltung. PQ nimmt seinen Ausgang mehr im Sein, denn im Haben. Es ist für uns Fundament und Rahmen für das Spiel der anderen Intelligenzen.

PQ statt PH haben wir dann als Akronym gewählt, ganz einfach um die Nähe zu den anderen Intelligenzen auszudrücken. Und - wir wollen es nicht verschweigen - auch Marketingüberlegungen haben ihren Teil dazu beigetragen. Denn eine gute Idee - und dafür halten wir PQ ;-) - ist nichts, solange sie sich nicht auf einen prägnanten Punkt bringen lässt, der in den Köpfen hängen bleibt. PQ in Anlehnung an IQ, EQ usw. schien uns da ein attraktives Etikett für das Meme "Philosophische Haltung".

-Ralf

Willkommen

Willkommen im Blog von Ina Schmidt und Ralf Westphal zum Thema PQ.

PQ steht für Philosophische Intelligenz oder Philosophische Haltung, auch wenn in diesen Begriffen zwar ein "P", aber kein "Q" vorkommt. Mit dem Akronym PQ möchten wir uns vielmehr in die Nähe von anderen "Intelligenzarten" rücken. IQ (der "intellektuelle" IntelligenzQuotient - wenn das kein Pleonasmus ist), EQ (Emotionaler intelligenzQuotient), SQ (Spiritueller oder Sinnorientierter intelligenzQuotient) und auch MQ (Moralischer intelligenzQuotient) sind ja schon in aller Munde.

Wir meinen nun, dass trotz aller Relevanz dieser Quotienten, dieser unterschiedlichen "Intelligenzen" die Welt durchaus noch von einer weiteren profitieren kann. Die bisherigen *Q decken schon ein schönes Spektrum des menschlichen Webens ab - aber etwas sehr Entscheidendes findet bei ihnen kaum Berücksichtigung. Die Vernunft, das Denken, die Reflektion wie sie in langer philosophischer Tradition entwickelt wurden, haben scheinbar keinen Platz im allgemeinen Q-Hype der letzten Jahre.

Diesen blinden Fleck möchten wir mit unseren Überlegungen zu PQ füllen. Das Blog ist dafür unsere Kladde, in der wir unsere Gedanken zunächst einmal aussprechen, reflektieren und kommentieren. Was wir später dann daraus machen... das werden wir sehen.

Wer die Entwicklung von PQ mitverfolgen möchte, ist herzlich eingeladen. Auch Kommentare sind uns jederzeit willkommen.

-Ina und Ralf