Montag, 17. Dezember 2007

Heute schon metagedacht?

Ein Buch über PQ rückt nun langsam, langsam näher. Eine Materialsammlung ist begonnen. Ein roter Faden will gelegt werden. Dabei stoße ich natürlich auf die Grundfrage, um welches Denken es denn eigentlich bei PQ geht.

Geht es um "normales" Denken? Hm... Was ist das eigentlich? Wann denken wir denn? Tun wir das nicht andauernd? Ist somit ein Buch, das Denken motivieren will, nicht überflüssig? Wikipedia definiert ja sehr breit "Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer aktiven inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen suchen." Da gibt es im Grunde kein Entrinnen; jeder denkt. Andauernd, immer wieder.

Und das ist auch gut so. Allerdings, so meint PQ, kommt es darauf an, wie (!) man denkt. Dass das in unterschiedlicher Weise möglich ist, drücken ja schon alltagssprachliche Nuancierungen wie "denken", "nachdenken", "überdenken", "vordenken" oder "mitdenken" aus. Aber ich glaube, dem kann noch etwas unterlegt werden. Eben eine Haltung und auch gewisse Techniken wie auch Grundsätze. Denn "Nachdenken" ist nicht nicht gleich "Nachdenken".

Insofern geht es bei PQ auch nicht um Problemlösung oder die Lösung von Rätseln im Speziellen. Heuristiken oder Kreativitätstechniken sind nicht das Thema von PQ.

Aber was denn dann? Mir fällt da der Begriff "Distanz" ein. PQ geht es um eine Distanzierung während des Denkens. PQ vertritt die Auffassung, dass Denken noch bessere Ergebnisse zeitigt, wenn man darüber nachdenkt. "Denken über´s Denken": das ist PQ. Insofern könnte ich wohl auch PQ als "Metadenken" beschreiben. Ja, das ist es wohl: PQ will dazu motivieren, zu metadenken.

Im Alltag denken Sie über diese Begebenheit oder jenes Problem nach. Dabei sind Sie ganz mit einem Thema beschäftigt. Das Denken richtet sich auf, dreht sich um dieses Thema. Sie denken mit - deshalb schätzt Sie ihr Chef. Sie denken voraus - deshalb schätzen Ihre Sportmannschaftskollegen sie. Sie überdenken wichtige Entschlüsse vor Bekanntgabe nochmal - dafür werden Sie als verantwortungsvoll geschätzt.

Und wann metadenken Sie? Wann denken Sie darüber nach, in welcher Weise Ihr Mitdenken, Vordenken, Überdenken abläuft? Welche Gewohnheiten haben Sie dabei? Welche Techniken setzen Sie ein, um sich Themen zu nähern? Wie finden Sie Alternativen für Entscheidungen und wählen zwischen Ihnen?

Mit diesen Voraussetzungen themenbezogenen Denkens beschäftigt sich PQ. Und deshalb scheint mir ein Buch zu PQ sinnvoll. Denn auch wenn es viel Literatur zur verschiedenen Spielarten des Denkens gibt (z.B. zu problemlösendem oder analytischem), so ist Metadenken doch eher kein Thema in den Bücherregalen. Sollte es aber sein! Denn einmal metagedacht spart womöglich Mühe beim Themendenken.

Freitag, 16. November 2007

Die große Konstante

Warum, warum, warum nur eine "Philosophische Intelligenz" (PQ) entwickeln? Die Frage treibt mich immer wieder um. Was sie ausmacht, ist mir recht klar - aber es auf den Punkt zu bringen, warum sie mir jetzt, hier und heute so wichtig erscheint... davon erhasche ich immer wieder nur einen Zipfel. Heute jedoch habe ich einen Fortschritt gemacht!

Bisher ging es eher ums "gute Leben". Hört sich plausibel an und ist auch nicht falsch. Aber irgendwas scheint mir noch darunter zu liegen, noch fundamentaler zu sein. Und mein heutiger Gedanke war, dass PQ eine Antwort auf den heutigen Zustand der Welt ist. Der ist charakterisiert durch Überfluss, oder neutraler: eine große Optionenvielfalt, und Vernetzung bzw. daraus resultierender Komplexität.

Überfluss konkret sind 50 Brotsorten statt genügend Brot zum Sattwerden. Komplexität konkret bedeutet, dass mein Brotkauf über viele, viele Stationen Einfluss auf jemanden in Indien hat; und umgekehrt die Befindlichkeit von Menschen im fernen China Einfluss auf meine nimmt.

Dieser Zustand der (westlichen?) Welt heute ist aber nur der aktuelle Endpunkt einer Kurve ständigen Anstiegs von Optionenvielfalt und Komplexität. Wachstum von Vielfalt und (auch daraus resultierender) Komplexität ist für mich die entscheidende, große Konstante.

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Klar, Kriege, Naturkatastrophen oder auch Dummheit/gesellschaftliche Katastrophen haben immer wieder Vielfalt und Komplexität auch verringert. Aber nur temporär oder regional begrenzt. Insgesamt sind sie über die letzten 5000 Jahre jedoch nur gestiegen. Mal langsamer, mal schneller.

Diese Entwicklung ist selbstverständlich nicht kontrolliert abgelaufen. Sie ist die Summe der Bemühungen unzähliger Individuen und sozialer Systeme.

Entwicklung - ob kontrolliert oder nicht - erfordert nun natürlich Anpassung. Die besteht in einer Vergrößerung der Freiheit der Individuen oder überhaupt in der Entwicklung von Individualität. Auch das scheint mir eine historische Konstante - allerdings ist die Zunahme von Freiheit weniger stark, sie erlebt immer wieder Rückschläge.

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Jeder Form von Totalitarismus ist ein solcher Rückschlag, jedes Dogma, jede Ideologie. Denn Ideologie ist starr - das ist ihr Wesen - und wirkt bei gegebenem Zuwachs an Vielfalt und Komplexität wie ein Korsett. Ideologie ist per se untauglich, mit wachsender Komplexität umzugehen. Denn Komplexität verlang flexible Reaktion, die Akzeptanz des Unvorhersehbaren - Ideologie besteht immer darin, Unvorhersehbarkeit zu reduzieren. Ihre Regeln von heute sollen taugliche Hilfen sein für das durch Komplexität Unvorhersebare von morgen.

Ideologien und Totalitarismus unterliegen immer einer Kontrollillusion. Sie haben zu wollen, mag verständlich sein. Sie zeitweise durchzusetzen ist - wie die Geschichte beweist - möglich. Langfristig verhindern sie aber nicht die Zunahme der Komplexität und damit auch die steigende Notwendigkeit (!) für individuelle Freiheit. Denn je höher die Komplexität, desto geringer die Möglichkeit, das komplexe System zentral zu steuern.

Solange biologische Individuen nach mehr Vielfalt streben - und das scheint angesichts seiner Konstanz im Kern des Menschseins zu liegen - verurteilen sie sich selbst (!) zu immer mehr Freiheit, wenn sie nicht unter der Last der selbstverschuldeten Komplexität zusammenbrechen wollen. Mehr Komplexität braucht mehr Dezentralisierung. Die ultimative Dezentralisierung besteht in hochgradiger Individualisierung, im freien und verantwortungsvollen und optionenbewussten und vielfaltsfähigen Einzelnen.

Aus meiner Sicht trägt PQ nun dazu bei, angesichts der unleugnbaren Komplexität und Vielfalt unserer Welt, den Einzelnen zu befähigen, angemessen mit ihr umzugehen. Für sich und für die anderen in den mehr oder weniger großen sozialen Systemen, deren Teil er ist. Und das für eine möglichst lange Zeit. Nachhaltig also.

PQ zu entwickeln erscheint mir insofern zeitgemäß wie auch nötig, solange jemand der großen Konstante "Vielfalt und Komplexität steigen" zustimmt. Wer möchte, dass Vielfalt und Komplexität ganz grundsätzlich weiterhin zu unser aller Wohl zunehmen, der kann keine Hilfe in Dogmen und Ideologien suchen. Vielfalt, Wohlstand: sie widersprechen jedem Korsett.

Aber Dogmen und Ideologien haben (scheinbar) gestern ja noch geholfen. Wenn sie nun als nicht zukunftsfähig erkannt sind (oder zumindest nicht vielfaltsförderlich), was soll an ihre Stelle treten? Ich meine, PQ ist eine Haltung, die hilft, das entstehende Vakuum zu füllen.

Vielfalt und Komplexität nehmen zu. Vielfalt und Komplexität brauchen individuelle freie Befähigung für den Umgang mit ihnen. PQ stärkt die Individualität und die Freiheit. Das scheint mir der Ausgangspunkt für, das Fundament von, die Motivation hinter PQ zu sein.

Auf die historischen Kurven bezogen bedeutet das: PQ will die Freiheitskurve der Vielfaltskurve annähern und der Vielfaltskurve zu einer ungehinderteren positiven und bewussten Entwicklung verhelfen.

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Samstag, 5. Mai 2007

Warum Transparenz?

Ina hat einige Fragen aufgeworfen, die für eine Philosophische Haltung oder besser, denjenigen, der sie einnehmen will oder meint, schon eingenommen zu haben, von Interesse sein sollten. Sich diese Fragen immer wieder einmal zu stellen, schärft das Bewusstsein für sich selbst und die eigene Position im engeren oder weiteren (sozialen) Zusammenhang. Denn um Zusammenhang geht es bei allem Philosophieren und also auch bei PQ.

Was macht mich aus, wie sind die Zusammenhänge meiner "Teile", dessen, was ich bin und tue? Wie stehe ich in Zusammenhang mit der Welt um mich herum? Woraus besteht die Welt, wie hängen ihre "Teile" zusammen? Wie wirkt sich schließlich meine Handlung oder die Handlung eines anderen auf diese Zusammenhänge aus, wie verschöbe sich deren Gefüge? Das sind zentrale Fragen der Philosophie. Sie ist die Mutter der bewussten Unterscheidung und damit auch des Zusammenhangs des Unterschiedenen.

Warum aber nun die Frage nach der Nachvollziehbarkeit meiner Entscheidungen und Handlungen für andere? Warum die Frage nach der Transparenz meiner Beweggründe, die Grundlage für die Nachvollziehbarkeit ist?

Für mich haben diese Fragen mit Bewusstheit, darauf aufbauendem Verantwortungsbewusstsein und dem darauf wieder aufbauenden Vertrauen zu tun.

Wenn ich mir selbst nicht über meine Beweggründe im Klaren bin, mir keine Rechenschaft über den Weg zu einer Entscheidung und meine Prioritäten und Werte ablegen kann, dann befindet sich ein Gutteil meiner Persönlichkeit "unter der Oberfläche". Sie ist selbst für mich damit wenig vorhersehbar und verlässlich. Dann kann ich mich immer nur wieder selbst überraschen - ob das dann aber auch immer positive Überraschungen sind, wage ich zu bezweifeln. Überraschung ist einfach nicht weit entfernt von Unberechenbarkeit. Und die ist Gift für jeden (sozialen) Zusammenhang. Niemand mag in einer unberechenbaren Natur leben; wir versuchen ständig, die Natur zu zähmen und berechenbarer zu machen, ihr die unliebsamen Überraschungen auszutreiben. Genauso wenig mag man mit unberechenbaren Menschen zusammen sein. (Dass am Ende trotz aller Mühe dann doch nicht alles berechenbar ist oder gemacht werden kann und wie PQ beim Auskommen damit hilft, soll Thema eines anderen Artikel sein.)

Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass ich selbst meine Entscheidungen nachvollziehen kann, sondern auch anderen Einblick gewähre, d.h. mich transparent mache und vorher selbst diese Transparenz für mich anstrebe. Zuerst gilt es, die Beweggründe aufzuspüren - was an dieser Stelle nicht bedeuten soll, sie in ihrem Gewicht zu ändern. Es geht zunächst nur um ihre Sammlung. Mehr will Transparenz nicht. Weiß ich, was mich bewegt, welche Kräfte in mir wirken?

Im zweiten Schritt geht es dann darum, die Zusammenhänge zwischen diesen Kräften zu bestimmen. Aneinandergereiht ergeben sie sozusagen eine innere Kausalkette. Erst wenn die aufgefädelt ist, dann kann ich sagen, ich bin mir einer Entscheidung bewusst. Erst dann kann ich auch zu ihr stehen und Verantwortung übernehmen.

Vertrauen können nun andere in mich umso eher fassen, je verständlicher ich für sie entscheide/handle. Mich kennenzulernen bedeutet nicht nur, die Ergebnisse meiner Entscheidungen/Handlungen einfach zu sehen, sondern auch die Wege dahin. Wo ich solche Einblicke in mich gewähre, da entsteht Nähe. Und wo Nähe entsteht, da kann Vertrauen gedeihen.

Wer begreift, warum etwas geschieht, was die Kausalkette dahinter ist, dem fällt es leichter, von dem was ist auf Zukünftiges zu schließen. Offenheit, Transparenz, Nachvollziehbarkeit heute reduziert damit Komplexität morgen. Denn Vertrauen ist ein Mittel zur Reduktion von Komplexität. Wo ich vertraue, muss ich nämlich eben nicht mehr ständig alle Einzelheiten beobachten und kontrollieren. Vertrautes kann ich als "Black Box" betrachten, d.h. seine komplexen inneren Zusammenhänge ausblenden.

So führt also PQ mittelbar über die Förderung von Vertrauen zu einer Reduktion von Komplexität, obwohl es zunächst anders erscheinen mag. Wenn ich aus einer Philosophischen Haltung heraus mir der Zusammenhänge und meiner Beweggründe bewusst werde, um Verantwortung zu übernehmen. Wenn für mich und andere Entscheidungs- und Handlungsketten darauf aufbauend nachvollziehbar werden. Dann kann ich auf mich vertrauen, dann können andere auf mich vertrauen. Und dann... dann kann das Transparente, das Nachvollziehbare sozusagen in ein Kästchen verpackt und erstmal ad acta gelegt werden. Dann ist keine weitere ständige Prüfung oder Wachsamkeit nötig. Das spart Kraft.

PQ bedeutet also nicht intellektuelle Hypertrophie in Form pausenlosen bewussten Hinterfragens. PQ steht vielmehr für die jederzeit abrufbare Fähigkeit, bei Bedarf bewusst zu sein, Rechenschaft ablegen zu können, transparent zu machen, Nachvollziehbarkeit herzustellen. Aber diese Fähigkeit muss nicht ständig auf alles angewandt werden. Im Gegenteil: Ihr Ziel ist es, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Auch Denken oder Bewusstheit ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Schritt auf dem Weg zu einem Ziel. Ist das erreicht - wie zum Beispiel Vertrauen in mich oder andere -, kann ich meine Schritte auch wieder woandershin lenken.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Fragen an PQ

Um sich über das eigene Verhalten klar zu werden, um sich selbst auf eine philosophische Haltung hin zu "überprüfen" ist es notwendig, nicht nur die Dinge, sondern auch sich selbst zu be- und hinterfragen.

- Wie nachvollziehbar ist mein Handeln/meine Entscheidung für andere?
- Wie transparent lege ich meine Beweggründe dar?
- Orientiert sich mein Verhalten an dem, was ist oder an dem, was sein sollte?
- Wie gehe ich mit Vorläufigkeit und Unverständlichkeit in meinem Umfeld um?
- Mit welchen Folgen rechne ich und wie will ich damit umgehen?
- Welche Ziele, welche Erwartungen habe ich an mein Handeln?

Die Liste ist natürlich individuell zu ergänzen...

Ina

Freitag, 23. März 2007

Sinnhaftigkeit braucht ein Gegenüber

Ina hat geschrieben "Sinnhaftigkeit entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns selbst entsprechen, dort wo wir sind" - das hört sich gut an. Selbstentsprechung, Kongurenz, Authentizität sind sicherlich grundsätzlich erstrebenswert.

Dennoch fehlt mir in der Beschreibung von Sinnhaftigkeit, d.h. dem Gefühl von Sinn im Leben, etwas. Und das ist das oder der andere, ein allgemeines alter, wo wir ego sind.

Sinnfülle können wir nicht aus uns selbst heraus ganz allein erzeugen. Als ego spüren wir Sinnfülle nur dort, wo wir für ein alter sind. Sinn im Leben entsteht nur im Geben und Geben braucht einen Empfänger. Ohne Gabe, ohne Ziel und Zweck der Gabe kein Sinn.

Umso unmittelbarer entsteht dabei dann für unser ego Sinnfülle, je persönlicher das Verhältnis zum alter. Je direkter uns Feedback zuteil wird, das unsere Gabe dankbar angenommen wird, je deutlicher wir uns wertgeschätzt fühlen, desto mehr Sinn empfinden wir.

Überraschend ist dabei nun, wie verschieden Gaben und Empfänger sein können und dennoch in uns das Gefühl von Sinnfülle erzeugen. Empfänger können einzelne Menschen oder Tiere sein, aber auch Gruppen oder Massen. Empfänger müssen uns auch nicht persönlich gegenüberstehen; sie können anonym und fern sein oder womöglich erst in der Zukunft existieren.

Und unsere Gaben müssen nicht materiell sein. Gegenstände, Handlungen, Worte, Ideen, ja sogar bloßes (Da)Sein kann als Gabe gelten.

Wasimmer wir im Guten für ein alter entscheiden, wieimmer wir uns einem Empfänger bewusst zuwenden in dem Wunsch, dass unsere Gabe wohlwollend angenommen werde, als Gabe von uns für ihn erkannte werde, ist sinnstiftend.

Allerdings empfinden wir den Sinn erst, wenn wir wieimmer auch geartet ein Feedback vom Empfänger bekommen, dass er uns durch und in unserer Gabe auch sieht.

Ob dieses Feedback in Form eines Lächelns oder eines Regenschauers nach langer Dürre kommt, ob das, was wir als Feedback wahrnehmen wirklich uns gilt oder wir uns das nur einbilden... das alles ist egal. Wir brauchen nur den Eindruck von Kausalität zu haben und empfinden Sinn.

Sinn braucht mithin Korrelation zwischen uns und jemandem oder etwas anderem. Sinnfülle ist damit auch nicht ein Zustand, sondern eher die Färbung eines Prozesses. Und dieser Prozess muss wohl umso bewusster ablaufen, je wechselnder unsere Gegenüber.

Oder umgekehrt: Da Prozesse immer Mühe machen, ist es wohl so, dass der Wunsch nach einem anhaltend sinnerfüllten Zustand umso größer ist, je wechselnder unsere Gegenüber sind. Dann beginnt die Suche nach Empfängern für unsere Gaben, die möglichst konstant sind.

Dienstag, 20. März 2007

Innehalten und Besonnenheit

Bei Ralfs Gedanken über das "Innehalten" und der Frage nach dem, wie es uns gelingen kann, auch im grössten Alltagsstress anzuhalten, um uns nicht verloren zu gehen, ging mir immer wieder der Begriff der Besonnenheit, die "Besinnung" durch den Kopf, die vielleicht so etwas wie das kleine und tägliche Ziel einer philosophischen Haltung sein kann. PQ bringt uns zur Besinnung - und schafft damit eine wirkliche und ernstzunehmende Ge-lassenheit im Umgang mit dem, was um uns herum geschieht. Das mag wie ein frommer Wunsch klingen, aber wenn wir uns von der Vorstellung befreien, einen Überblick nur deswegen gewinnen zu wollen, um die Kontrolle zu gewinnen (wie bei unserem Autofahrbeispiel), dann greift es zu kurz. Wir schaffen uns einen Überblick über den Kontext, in dem wir uns bewegen, nicht über den gesamten Lauf der Welt und der Dinge - wenn wir unseren Kontext erweitern können, ist das wunderbar, aber sobald wir es nicht auf eine "letzte Erkenntnis" anlegen, können wir auch nicht daran scheitern oder verzweifeln. Das Innehalten und die Besinnung hat etwas mit einem sehr individuellen Ziel zu tun - niemand als wir selbst können bestimmen, wann wir zur Besinnung kommen bzw. wann wir wieder aufbrechen wollen, um in der nächsten Schleife der Geschwindigkeit anzuhalten und nach dem "Sinn" zu fragen. Dieser Sinn besteht demnach nicht in festzulegenden Inhalten - also: sinnvolles Leben muss sich aus "einem guten Job, Familie, einem Haustier und mindestens einer ehrenamtlichen Tätigkeit" zusammensetzen, sondern Sinnhaftigkeit entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns selbst entsprechen, dort wo wir sind. Dann haben wir keine Ansprüche an das Außen, aber hoffentlich ein Interesse, eine Neugier und die Lust zum Dialog -. das aber ist etwas anderes und hat nichts mit Kontrolle zu tun: es lässt die Dinge sein.
Wenn wir also stetig Innehalten und zur Besinnung kommen, um dann den nächsten Schritt zu tun, dann nutzen wir diese Bewegung für eine persönliche Entwicklung, die ihren Wert in sich selbst trägt und damit zu einem inneren Kompass werden kann - und diesen Nutzen stiftet allein der reflektierte Umgang mit dem Verhältnis, das wir als unvollkommene, vereinzelte Individuen zu unserer Welt einnehmen - nicht anderes ist PQ.

Samstag, 17. März 2007

Am Anfang das Innehalten

Kann jeder Menschen eine Philosophische Haltung einnehmen? Wahrscheinlich der eine mehr und der andere weniger. Bei der einen geht´s etwas schneller und leichter, bei der anderen langsamer und beschwerlicher. Das hängt sicherlich davon ab, wo jemand auf seinem Lebensweg steht und wie er dahin gekommen ist. Es gibt sicherlich Ausbildungen, Einstellungen, Sozialisierungen und psychische Strukturen, die PQ begünstigen oder eben behindern.

In jedem Fall steht PQ für eine Haltung und Fähigkeiten, die man erlernen kann. Niemand wird damit einfach so geboren, genausowenig wie Menschen als Wissenschaftler oder Priester geboren werden. Man macht sich vielmehr dazu. Eine Philosophische Haltung ist eine Wahl, kein Schicksal, genauso wie wissenschaftliche Rigorosität oder tiefer Glaube Schicksal sind. (Zumindest vom PQ-Standpunkt aus betrachtet; ein Gläubiger mag das anders sehen.)

PQ ist erlernbar. Aber wo anfangen? Für mich beginnt PQ mit dem, was man gemeinhin eben nicht mit Lernen verbindet: mit dem Innehalten. Wer etwas lernt, der will ja etwas tun und eben nicht nichts tun. Aber PQ ist da anders. Am Anfang von PQ steht das Innehalten, ja das Anhalten.

Nur im "angehaltenen Zustand" können wir nämlich wirklich bewusst sein. Solange wir uns bewegen und vor allem je schneller wir uns bewegen, desto enger ist unser (Tunnel)Blick. Bewusstheit ist aber genau das Gegenteil eines Tunnelblicks. Es ist eher wie der Rundumblick von der Bergspitze des Geistes auf die Landschaft eines Zusammenhangs.

PQ soll am Ende natürlich zu Entscheidungen und damit zu Handlungen führen. Aber die sollen ja eben durch uns und nicht die Umstände bestimmt sein. Je mehr wir jedoch in Eile sind, uns bewegen, durchs Leben hasten, desto mehr müssen wir einfach nur reagieren. Und Reagieren bedeutet, dass wir Entscheidungen unbewusst nach vorgefertigten Mustern fällen.

Freiheit uns Selbstbestimmungen brauchen daher Ruhe. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nur im Bett eine Philosophische Haltung einnehmen können. Nicht um äußere Ruhe und Bewegungslosigkeit geht es beim Innehalten, sondern um einen geistigen Stopp. Und der muss auch nicht stundenlang sein. Ein Aufblitzen, ein kurzes Verlangsamen, Zögern können reichen.

Was dieses Innehalten bedeutet, wird klar, wenn Sie sich einen Rennfahrer vorstellen. Ist Michael Schumacher während eines Rennens in seinem Formel 1 Boliden zu jeder Zeit frei, das Steuer nach Belieben zu drehen? Nein! Im Gegenteil: Das Steuer hat wegen der hohen Geschwindigkeit eines Rennwagens nur ein sehr kleines Spiel im Vergleich zum Steuer eines normalen PKWs.

Wirklich offen für eine Bewegung in jede Richtung ist nur jemand, der sich an einem Balancepunkt befindet. An einem Punkt also und nicht auf einer Flugbahn oder Rennstrecke. Selbstbestimmte Entscheidungen sind also nur möglich, wenn das, was in die eine oder andere Richtung fallen soll, im Moment keine Richtungspräferenz hat wie eine Münze, die auf ihrem Rand steht.

Innehalten stellt unseren Geist auf seine Spitze in Balance und macht es erst möglich, dass wir ergebnisoffen auf die Welt schauen. Erst im Innehalten können wir auch von der Welt zurücktreten und sie bewusst wahrnehmen. Wer im Rennwagen sitzt, blick zwar auch in die Welt - aber mit Tunnelblick nach vorn.

Innehalten ist wie eine Pause auf dem Hochsitz in einem Maislabyrinth, um in Ruhe einen Überblick zu gewinnen.

Menschen, die eine Philosophische Haltung einnehmen bzw. einüben wollen, stehen also zunächst einmal vor dem Problem zu lernen, inne zu halten. Wie schaffen Sie es, im Alltagsstress momentweise anzuhalten, Ihren Geist in Balance zu bringen und bewusst die Situation zu betrachten - um sie dann selbstbestimmt fortzusetzen?

Ich denke, dazu braucht es zunächst das Bewusstsein darüber, dass genau das für PQ nötig ist. Sie müssen sich immer wieder daran erinnern und sich somit sensibilisieren für Entscheidungssituationen. Es gilt, einen Automatismus zu etablieren, der Sie im Strom der Ereignisse an entscheidenden (sic!) Stellen immer wieder anhalten und wahrnehmen lässt, dass es um Ihre Selbstbestimmung geht.

Wie kommen Sie zu solch einem Automatismus? Ich denke, dazu bedarf es wiederkehrender Reflektion. Blicken Sie immer wieder zurück auf Ihren Alltag und überlegen Sie, in welchen Situationen Sie hätten innehalten sollen. Lassen Sie Muster für diese Situationen entstehen. Sensibilisieren Sie Ihr Gefühl für sie durch wertfreie Rückschau.

Oder lassen Sie sich durch andere Menschen reflektieren. Bitten Sie Partner und Freunde, Sie daran zu erinnern, inne zu halten. Andere haben oft ein besseres Gespür als wir selbst für unserer Gelegenheiten zum Innehalten. Sie sitzen ja nicht in unserem Rennwagen durch unseren Alltag, sondern beobachten uns von außen. Von dort können Sie uns dann quasi zuwinken und ermuntern, einmal kurz zur pausieren.

Im entscheidenden Moment inne zu halten und seinen Geist zu balancieren, um ergebnisoffen selbstbestimmt entscheiden zu können. Das ist der Anfang der Kunst von PQ.